VW und Deutsche Bank: Dax-Chefs wehren sich gegen Gehaltsdeckel

Boni-Exzesse
Dax-Chefs wehren sich gegen Gehaltsdeckel

Gehälter in Millionenhöhe bei Volkswagen, Boni-Diskussion bei der Deutschen Bank: Die SPD fordert schärfere Grenzen bei Managergehältern, wie das Handelsblatt exklusiv berichtete. Dax-Chefs lehnen den Vorschlag jetzt ab.
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DüsseldorfDie Chefs mehrerer Dax-Konzerne wehren sich gegen die Pläne der SPD, die Höhe von Managergehältern gesetzlich zu begrenzen. „Deutschland hat mit der sozialen Marktwirtschaft ein exzellentes Wirtschaftsmodell und steht im internationalen Vergleich hervorragend da“, sagt Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted der „Zeit“. Er weist auf die gute Beschäftigungslage und steigende Realeinkommen hin. „Das belegt doch, dass die deutschen Unternehmen und ihre Lenker zum überwiegenden Teil einen guten Job machen und ihre Unternehmen zum Wohle der Gesellschaft führen“, sagt Rorsted.

Auch Nikolaus von Bomhard, scheidender Vorstandschef der Munich Re, warnt: „Die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte.“ Persönlich empfinde er seine Vergütung als angemessen, im internationalen Vergleich seien die Vorstandsgehälter in seinem Unternehmen aber „sehr moderat“.

Bayer-Chef Werner Baumann ist der Meinung, dass eine Deckelung der Managergehälter realitätsfern sei: „Beschäftigungsstrukturen und durchschnittliche Einkommen unterscheiden sich von Branche zu Branche erheblich, eine zwangsläufig generalisierende Höchstquote für alle Unternehmen ist kontraproduktiv“, sagt er der „Zeit“.

Das Handelsblatt hatte exklusiv berichtet, dass der Aufsichtsrat von Volkswagen derzeit erwägt, das Gehalt des Vorstandschef auf maximal zehn Millionen Euro jährlich zu deckeln. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 24. Februar sollen die Kontrolleure über ein neues Entgeltsystem beraten und nach Möglichkeit dieses bereits beschließen, wie Konzernkreise dem Handelsblatt berichten.

Für die Mannschaft um VW-Chef Matthias Müller kann dies bedeuten, dass sie künftig weniger verdienen wird. Darauf drängen zumindest das Land Niedersachsen als Großaktionär und die Betriebsräte, die sich regelmäßig für die Rekordgehälter bei Volkswagen rechtfertigen müssen.

Die Bezahlung der VW-Manager ist ein Dauerthema – und ein delikates obendrein, denn in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Streit um die Millionen. Schon im Jahr 2011 sorgte das Rekordgehalt des damaligen Vorstandschefs Martin Winterkorn für Zündstoff. Mit rund 17 Millionen Euro avancierte der VW-Chef zum bestbezahltesten Industriekapitän Deutschlands. Als dann auch noch vor einem Jahr trotz der Affäre um gefälschte Abgaswerte Millionenboni an die Manager ausgeschüttet wurden, kam der Aufsichtsrat endgültig unter Zugzwang.

Die SPD um den kürzlich gekürten Kanzlerkandidaten Martin Schulz will im bevorstehenden Bundestagswahlkampf für ein gerechteres Deutschland starkmachen, die Begrenzung von Managerbezügen ist eine Kernforderung.

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„Kein gutes Beispiel für die Kultur in diesem Land“

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  • Eine Deckelung von Vorstandgehälter wäre eine Einschränkung der Eigentumsrechte? So ein Schwachsinn. Eigentümer sind die Aktionäre und die haben kein Mitspracherecht an den Vorstandsgehältern. Aktionäre sollten ausschließlich über die Vorstandsgehälter bestimmen! Die Selbsbedienung von Vorstand und Aufsichtsrat ist legalisierter Raub!

  • Viele Kommentare hören sich an wie eine AfD/PEGIDA-Bot-Meldung. Möglicherweise stecken jedoch auch Kommentatoren dahinter, die sich aber geschickt nicht anmerken lassen, dass sie mindestens 12000 Schulstunden in ihrer Jugend über sich haben ergehen lassen und offensichtlich trotzdem nur nachplappern können, was andere ihnen vorplappern!

    "... Die Kommentare anderer Leute:
    teils Verschwörer der übelsten Sorte,
    teils dumpfbackige, hirnlose Beute
    einer versponnenen, verbohrten Kohorte...."

    http://youtu.be/sBom50KrkBk

    Viel Spaß beim Anhören.

  • Nicht die Frösche fragen, ob ihr Teich ausgetrocknet werden soll! Machen!
    Im Anbetracht der wachsenden sozialen Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen (vgl. hierzu auch https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/die-ungleichheits-luege-geht-um ) ist es unabdingbar, auch die Exzesse bei Gehältern, Boni und Abfindungen endlich wieder einzudämmen. Nicht zuletzt auch in Anbetracht der "Leistungen" unserer Wirtschaftsführer (Deutsche Bank, VW, Linde, ...). Der von der SPD präferierte Weg, dies über Begrenzung der steuerlichen Absetzungsmöglichkeiten anzugehen, ist ein gangbarer Weg.
    Wenn der Bundesfinanzminister Schäuble gegen eine gesetzliche Regulierung schießt und stattdessen für "Anstand" (ausgerechnet Schäuble!) und eine "freiwillige Selbstverpflichtung" der betroffenen Manager wirbt, ist das wenig glaubwürdig:
    Erstens hatte Schäuble noch 2012 aus guten Gründen für eine gesetzliche Regulierung dieser Exzesse plädiert.
    Zweitens hat sich ja erst im Finanzsektor gezeigt, dass die Betroffenen entsprechende - offensichtlich unzureichende - Regulierungsversuche (hier: "Deckelung der Boni" auf EU-Ebene) ohne Scham trickreich umgehen: bei der Deutschen Bank (ausgerechnet dort!) hat man mal als Ausgleich locker die Jahres-Gehälter von 1100 Mitarbeitern um durchschnittlich 270.000 Euro aufgestockt! Das ist also der Schäuble-Weg!
    Offensichtlich wollte Schäuble nur mal wieder Gabriel und der SPD einen reinwürgen. So ist dieser alte, verbitterte Mann eben gestrickt!
    Aber wer hört schon noch auf diesen "falschen Fuffziger"! Vielleicht die Kanzlerin, wenn er wieder einmal an Putschplänen arbeitet?

    Mein Tip:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    http://youtu.be/-5X2P5J6MiA
    http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
    Was sagt der Bundestag?
    http://youtu.be/QGOx8I0COYg
    Viel Spaß!

    PS: Übrigens, nach dem antiken, griechischen Philosophen Platon sollte "niemand mehr als das 4-fache des Vermögens eines anderen besitzen". Gar nicht so dumm!

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