Boni-Klagen
Commerzbank: Riskante Altlast vor Gericht

Wolfgang Hartmann ist ein rustikaler Typ, durchaus mit Humor. Doch das Lachen ist dem ehemaligen Chef-Risikomanager der Commerzbank offenbar vergangen. Der 60-Jährige klagt vor dem Landgericht Frankfurt gegen seinen Arbeitgeber auf millionenschwere Abfindungs- und Pensionszahlungen (Aktenzeichen 2-12 O 269/09).

FRANKFURT. Das Verfahren wirft erneut die Frage nach den Gründen für den überraschenden Rückzug Hartmanns Anfang Mai auf. Manche Antwort hierauf könnte auch für die Commerzbank und ihren Chef Martin Blessing zum Risiko werden. Denn angeblich soll sich Hartmann gegen den folgenschweren Kauf der angeschlagenen Dresdner Bank gestemmt haben – und musste das Haus nach 33 Jahren verlassen.

Bei seinem Abtritt klang dies noch ganz anders. „Hartmann hatte einfach keine Lust mehr“, hieß es im Umfeld der Commerzbank. Allerdings wurden schon damals Spekulationen über Ärger hinsichtlich der Vergütung laut.

Ob das zutrifft, ist unklar – Fragezeichen gibt es aber allemal. Hartmanns Vertrag wäre ohnehin 2010 ausgelaufen, wieso konnte der gebürtige Offenbacher also nicht noch ein Jahr seinen Job machen? Von Amtsmüdigkeit war bei dem äußerst selbstsicheren, bisweilen auch sturköpfigen und eitlen Risikomanager nichts zu spüren. Fachliche Mängel schließlich kann es kaum gegeben haben, folgt man der damaligen Mitteilung. Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller lobte, Hartmann habe sich „Verdienste für die Bank erworben“.

Immerhin gibt es seit gestern eine weitere Lesart der überraschenden Vorgänge im Mai. Hartmann, der auch für die Prüfung der Bücher bei der Dresdner zuständig war, habe den Kauf mit zunehmender Skepsis begleitet, wird kolportiert. Erst nach Verkündung („Signing“) Ende August 2008, aber immerhin noch deutlich vor dem Abschluss der Transaktion („Closing“) im Januar 2009, habe er gegen den Deal votiert.

Hierzu habe der Kollaps von Lehman Brothers im September beigetragen, sagen Eingeweihte. „Und Hartmann kannte die Portfolios der Dresdner Bank.“ Die Skepsis des Risikomanagers wäre keineswegs unbegründet gewesen: Im vergangenen Jahr verbuchten die „Grünen“ alleine 6,3 Mrd. Euro Verlust. Bereits in der Vergangenheit war spekuliert worden, Blessing selbst habe den Deal abblasen wollen, ihn aber auf Druck der Bundesregierung durchgezogen.

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