Bonuszahlungen
Postbank-Chef Klein wird Ein-Euro-Jobber

Ein Sturm der Entrüstung brach über den Vorstand der Postbank herein, als bekannt wurde, dass dessen Mitglieder millionenschwere Halteboni bekommen hatten. Jetzt geht Institutschef Wolgang Klein in die Offensive - und will in diesem Jahr für einen Euro arbeiten.

FRANKFURT. Nach der tagelangen öffentlichen Entrüstung über die millionenschweren Halteboni für den Vorstand der Postbank will Institutschef Wolfgang Klein die Diskussion mit einem Gehaltsverzicht für dieses Jahr beenden. Er werde dem Aufsichtsrat der Postbank anbieten, in diesem Jahr für einen Euro zu arbeiten, sagte Klein der "Bild-Zeitung". Ein Postbank-Sprecher sagte, dies beziehe sich auf Festgehalt und Boni. Die anderen Vorstände hätten bisher kein solches Angebot gemacht.

Der gesamte Vorstand der Postbank hatte im Mai vergangenen Jahres 11,5 Mio. Euro an Halteprämien erhalten, um während der Zeit des Institutsverkaufs an Bord zu bleiben. Dadurch stieg die Gesamtvergütung im vergangenen Jahr von 10,5 auf 16,2 Mio. Euro - obwohl die Postbank den höchsten Verlust in ihrer Geschichte gemacht hatte. Klein erhielt insgesamt 3,3, Mio. Euro.

Beim Postbank-Mehrheitsaktionär Deutsche Post sorgte indes die Auszahlung der rund 20 Mio. Euro hohen Pensionsansprüche an den ehemaligen Vorstandschef Klaus Zumwinkel für öffentliche Empörung. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sprach in der "Bild am Sonntag" von einem "absoluten Skandal", SPD-Generalsekretär Hubertus Heil von einer "Unverschämtheit gegenüber allen in unserem Land, die hart arbeiten, ehrlich Steuern zahlen und sich an die Regeln halten."

Zumwinkel war im Januar wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Größter Anteilseigner seines ehemaligen Arbeitgebers Deutsche Post ist der Bund mit rund 30 Prozent. Der ehemalige Postchef Zumwinkel verteidigte die Pensionsauszahlung als "normalen" Vorgang. "Ich bin doch nicht der einzige, der sich seine Rente frühzeitig ausbezahlen lässt." In seinem Arbeitsvertrag sei diese Wahlmöglichkeit vorgesehen.

In der Tat hat sich auch der ehemalige Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann sich seine Pensionszusagen in Höhe von rund elf Mio. Euro auszahlen lassen. Finanzkreise bestätigten einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dem Geschäftsbericht der Postbank zufolge verdreifachten sich die Bezüge für ehemalige Mitglieder des Vorstands von knapp fünf aus 16,4 Mio. Euro.

Seit die Finanzkrise die Realwirtschaft in die Tiefe zieht, sind Gehaltsanhebungen oder Boni für Manager in der Öffentlichkeit kaum mehr zu vermitteln. Die schwedische Großbank SEB etwa nahm am Freitag eine geplante Anhebung der Vorstandsgehälter zurück, nachdem Aktionäre und der schwedische Staat diese kritisiert hatten. Der Postbank-Vorstand hatte zwar zum Jahresende auf einen erfolgsabhängigen Bonus verzichtet. Die Halteboni waren aber so hoch, dass das gestiegene Gesamtgehalt dennoch mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für Kritik sorgte. Über Kleins Ein-Euro-Vorstoß muss der Aufsichtsrat noch entscheiden.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%