Boris Beresowskij
Putin-Gegner gibt seine Geschäfte auf

Der in London lebende Russe Boris Beresowskij gibt seine Geschäfte auf. Beresowskij war unter Staatspräsident Boris Jelzin einer der einflussreichsten politischen und wirtschaftlichen Strippenzieher Russlands und galt 1997 auch als der reichste Oligarch im Riesenreich

HB MOSKAU. So unterschiedlich präsentieren sich Russlands Oligarchen heute: Während der reichste Russe, der fußballverrückte Multimilliardär und Boss beim FC Chelsea, Roman Abramowitsch, seinem Land gleich nach der Weltmeisterschaft in Deutschland den vier Millionen Dollar teuren niederländischen Fußball-Trainer Gus Hiddink als Nationalcoach spendieren will, gibt der ebenfalls in London lebende Boris Beresowskij nun alle seine Geschäfte auf.

Beresowskij war unter Staatspräsident Boris Jelzin einer der einflussreichsten politischen und wirtschaftlichen Strippenzieher Russlands und galt 1997 auch als der reichste Oligarch im Riesenreich. Nachdem Jelzin Ende 1999 abgetreten war, mauserte sich Beresowskij zu einem hartnäckigen Kritiker von dessen Nachfolger Wladimir Putin.

Nun hat der ärgste Widersacher des Kremlchefs zumindest als Unternehmer aufgesteckt und will sich nur noch als Oppositioneller aus dem britischen Exil in Russlands Politik einmischen. Seine Firmenbeteiligungen – darunter das einflussreiche Verlagshaus „Kommersant“ – verkauft er laut Presseberichten an seinen langjährigen Geschäftspartner Badri Patarkazischwili. Der sei, heißt es in Moskau, wegen der politischen Ambitionen Beresowskijs faktisch in seiner Heimat Georgien gefangen.

Denn Russland hat beide per internationalem Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben – keiner von ihnen kann also derzeit sicher reisen.

Patarkazischwili sei „das nun leid“, berichtet das Moskauer Wirtschaftsblatt „Wedomosti“. Deshalb habe der Georgier seinem langjährigen Freund quasi die Scheidung angeboten: Er kaufe dessen Firmenanteile, und Beresowskij konzentriere sich nur noch auf Politik. Letzter Anlass dafür sei gewesen, dass Beresowskij seinem Intimfeind Putin kürzlich mit einem „bewaffneten Umsturz“ in Russland gedroht hatte.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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