Boris Collardi
Jungstar unter Pensionären

Optimismus will der neue Chef der Schweizer Privatbank Julius Bär unter seinen Mitarbeitern verbreiten. Mit neuen Schwung soll der 34-jährige Jungbanker Boris Collardi die traditionsreiche Bank durch die Finanzkrise zu führen - eine schwierige Aufgabe.

ZÜRICH. In den Schweizer Banken gibt es doch noch junge Talente. Nachdem sich die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse mit Oswald Grübel beziehungsweise Kaspar Villiger zwei Pensionäre in die Konzernspitze geholt haben, setzt die Privatbank Julius Bär mitten in der Krise auf die Jugend und macht den erst 34-jährigen Boris Collardi zu ihrem Vorstandschef. Collardi wird damit seinem Ruf als „Senkrechtstarter“ einmal mehr gerecht. Erst im vergangenen Jahr hatte ihn das Fachmagazin „Wealth Bulletin“ zum „Rising Star“ der europäischen Banker unter 40 Jahren gewählt. Der Schweizer wird am 1. Mai Nachfolger von Johannes de Gier, der die Bank seit dem Freitod des Starbankers Alex Widmer interimsweise führt.

Auf den Jungstar wartet eine der schwierigsten Aufgaben am Finanzplatz Zürich. Julius Bär hat wie andere Privatbanken nicht nur mit Mittelabflüssen zu kämpfen. Durch die Finanzkrise verringerte sich das verwaltete Vermögen im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 275 Mrd. Franken. Knapp 60 Prozent davon entfallen auf die Privatbank. Hinzu kommt, dass alle Schweizer Banken nach der Lockerung des Bankgeheimnisses mit einem weiteren Kundenschwund rechnen und ihr Geschäftsmodell überarbeiten müssen. Julius Bär hat in den vergangenen Jahren stark im Ausland expandiert und muss die Kosten jetzt den schrumpfenden Finanzmärkten anpassen.

Da hilft es, dass Collardi im „Optimismus auch in schlechten Situationen“ eine der wichtigsten Führungseigenschaften sieht. Der Manager rückt mit kräftigem Rückenwind an die Bankspitze. Widmer holte seinen Zögling Collardi 2006 von der Credit Suisse und machte ihn zu seinem Chief Operating Officer. In dieser Funktion integrierte er die kurz zuvor übernommenen drei kleinen Privatbanken von der UBS und den Vermögensverwalter GAM.

Verwaltungsratspräsident Raymond Bär lobt insbesondere die „multikulturellen“ Fähigkeiten des neuen Vorstandschefs. Collardi spricht neben Deutsch fließend Französisch und Italienisch. Außerdem hat er für die Credit Suisse zwei Jahre in Singapur internationale Erfahrungen gesammelt. Insgesamt hat Collardi zwölf Jahre bei der Credit Suisse gearbeitet und es bei der Privatbank bis zum Finanzchef gebracht.

„Es ist gut, dass Julius Bär die Ungewissheit an der Konzernspitze beendet hat“, kommentierte Peter Thorne, Analyst bei Brokerhaus Helvea in London, den Führungswechsel. Die mangelnde Erfahrung würde dadurch ausgeglichen, dass Collardi mit der Bank bestens vertraut sei.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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