BP-Chef
Tony Hayward malt schwarz

BP-Chef Tony Hayward will Struktur und Kultur des britischen Ölmultis reformieren, um den Konkurrenten Shell wieder einzuholen. Er muss aufrütteln, um neuen Schwung in den multinationalen Konzern zu bringen. Doch er darf den Bogen nicht überspannen.

LONDON. Es war eine an die Medien gestreute Rede auf einer Mitarbeiterversammlung in Houston, mit der Tony Hayward kurz vor Weihnachten 2006 den Führungswechsel bei BP vorbereitete. „Wir haben einen Führungsstil, der zu sehr auf Weisungen beruht und nicht genug auf Zuhören“, sagte er und rückte als erster Vorstand öffentlich von „Sonnenkönig“ John Browne ab. Es hat sich gelohnt: Im Mai durfte er ihn beerben.

Nun ist es wieder eine Rede Haywards auf einer Mitarbeiterversammlung in Houston, die für Aufsehen sorgt. Vor einem „schrecklichen“ dritten Quartal und einer dringend nötigen Verschlankung des Managements sprach er dort laut „Financial Times“, die sich auf eine konzerninterne Zusammenfassung beruft, die per E-Mail zirkuliert sei. BP wollte den Bericht gestern nicht kommentieren, doch überraschend kommt Haywards Botschaft diesmal nicht.

Schon bei der Präsentation der Halbjahreszahlen sah der sonst so jugendlich und unbekümmert wirkende Manager mit dem lockigen dunklen Haar ernsthaft und streckenweise düster aus. Die operative wie die finanzielle Leistung des Konzerns seien „nicht gut genug“, übte er Ende Juli vor Journalisten und Analysten Selbstkritik. „Die Aktionäre werden enttäuscht sein, und wir teilen ihre Enttäuschung“, sagte er dort. Fortschritte werde es erst ab Ende des Jahres geben.

Manche Analysten befürchteten, dass Haywards neuerliche Warnung auf ein noch mäßigeres Jahresergebnis als erwartet hindeutet. James Neale von der Citigroup fragte sich, ob der Turn-around nun wohl länger dauern werde als bisher gedacht. Entsprechend sank die BP-Aktie, die ohnehin schon seit Monaten schlechter läuft als die unmittelbare Konkurrenz, um weitere drei Prozent.

Nun ist es üblich, dass ein neuer Vorstandschef die Lage bald nach seinem Amtsantritt schwarzmalt, um sich dann im zweiten Jahr umso heller von dem geerbten Desaster abzuheben. Doch im Falle Haywards gibt es tatsächlich handfeste Gründe für Reformen. Zum einen muss BP eine neue Sicherheitskultur im US-Geschäft etablieren, wo eine Explosion in der lange vernachlässigten Raffinerie Texas City vor zweieinhalb Jahren 15 Menschen tötete. Zum anderen gilt es, mehrere lange verzögerte Öl- und Gasprojekte endlich ans Laufen zu bringen, um wieder ein sichtbares Produktionswachstum vorweisen zu können.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass BP in Sachen Profitabilität und Börsenwert gegenüber anderen Ölmultis wieder zulegt. Im Moment bewertet die Börse den Konzern noch mit 156 Milliarden Euro, während Erzkonkurrent Royal Dutch Shell längst die Marke von 200 Milliarden Euro genommen hat.

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