Branche im Wandel
Das neue Berufsprofil von Anlageberatern

Anlageberater zu sein ist derzeit alles andere als einfach. Mifid, VVG, EU-Vermittlerrichtlinie, Abgeltungssteuer & Co. haben die Branche in ein neues regulatorisches Korsett gesteckt, die Krise tat ein Übriges. Doch wie wird und kann es mit dem Berufsbild weiter gehen? Ein Interview mit Peter A. Gundermann, Anwalt für Börsen-, Bank- und Kapitalmarktrecht .
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Was macht einen guten Anlageberater aus?

Ein guter Berater verfolgt sowohl eine anleger- als auch eine objektgerechte Beratung: Er ermittelt, was zu den Risikoneigungen, Anlagezielen, zu den Vorerfahrungen und den wirtschaftlichen Verhältnissen des Kunden passt und klärt ihn gleichermaßen umfassend über das Produkt auf. Das kostet zwar Zeit, aber nur in Kombination schafft das Vertrauen und vermeidet Konflikte. Wirtschaftlich kann das trotzdem erfolgreich sein.

Wo liegen derzeit die größten Schwächen der Branche?

Der kurzfristige Verkaufserfolg steht noch zu oft im Vordergrund. Intransparente Umsatz- und Provisionsinteressen stehen oft einer sorgfältigen Beratung im Weg. Genauso wie die Vertriebsvorgaben der einzelnen Häuser. Produkt xy ist an dem Mann zu bringen, ungeachtet, ob es auch an die passende Person vertrieben wird. Darüber hinaus sehe ich eine Schwäche in der Gesamtszenerie: Anlageberatung wird extern wie intern schlecht überwacht. Allzu oft versagt hier die interne Organisation, Aufklärung und Fortbildung eigener Mitarbeiter und das Risikomanagement. Des Weiteren finden sich große Schwächen im Produktdesign. Finanzingenieure kreieren ungeheuer komplexe, intransparente Anlageprodukte und auf der anderen Seite fehlt es den Beratern an Know-how, diese zu verstehen und dem Kunden zu vermitteln. Die Branche selbst ist nicht gerüstet für viele ihrer eigenen Produkte.

Und die größten Stärken?

Keine leichte Frage für einen Anwalt auf Investorenseite. Aber positiv ist, dass die Branche in der Regel flexibel und dynamisch auf rechlichte Änderungen reagieren kann. Neue Regeln werden meist schnell umgesetzt. Vorteilhaft finde ich auch die hohe Beraterdichte. Das erhöht für einen Kunden die Auswahl und die Chancen, einen guten Berater zu finden.

Welche Entwicklungen im Berufsbild sehen Sie für die nächste Zukunft?

Der Druck auf die Branche wird weiter zunehmen, von allen Seiten: Der Gesetzgeber hat verschiedene Verschärfungen in der Pipeline, die Politik bekennt sich offen zu mehr Anlegerschutz, die Gerichte entscheiden zunehmend rigoroser und die Kunden sind durch die Finanzkrise verunsichert und argwöhnisch. Das alles erfordert eine noch höhere Professionalität und eine hervorragende Ausbildung. Und wenn, wie derzeit, konservative Anlagen im Vordergrund stehen, wird es noch schwieriger, entsprechende Umsätze zu erzielen. Unterm Strich werden es Anlageberater in Zukunft nicht leicht haben.

Welches sind die größten Herausforderungen, welchen sich die Anlageberater in nächster Zukunft gegenüber sehen?

Das Bild des Anlageberaters ist durch die Finanzkrise in Verruf geraten. Das gilt es jetzt wieder positiv zu besetzen und das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen. Eine gute Beratung ist dafür das A und O. Die Branche muss nach Kräften gemeinsam daran arbeiten. Denn wenn es keine hohe Qualität in der Anlageberatung gibt, wird auch nichts mehr angelegt und das ist trotz allem nicht wünschenswert.

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