Branche ist erwachsen geworden
Der Knallerbsenstrauch bringt zu wenig

Die Unternehmen entdecken, welche Vorteile ihnen Prozessfinanzierer bieten. Doch die brauchen einen sehr langen Atem. Mittlerweise steigen auch große Versicherer in den Markt ein.

Die Prorima AG? Fehlanzeige. „Die sind hier schon eine Weile raus“, sagt die Dame am Empfang des Bürogebäudes im Hamburger Hafen südlich der Elbe. Wie mittlerweile rund ein Dutzend Unternehmen in Deutschland hatten die Hansestädter ihr Glück auf dem kniffligen Markt der Prozessfinanzierer versucht. Doch es lief nie ganz rund für die Prorima. Zunächst musste sich das als Rima AG gegründete Haus umbenennen, weil ein Dachauer Bauträger schon den gleichen Namen trug. Dann lief das Geschäft der Hamburger anscheinend derart schleppend, dass Anfang März das Aus kam.

Prorimas kurze Geschichte zeigt, wie schwierig das Geschäft der Prozessfinanzierer ist. Sie strecken – bei günstiger Prognose – sämtliche Gerichts-, Anwalts- und Gutachterkosten für einen Prozess vor. Hat die Klage Erfolg, wird der Gewinn geteilt – womöglich aber erst Jahre später.

Massiv verändert hat sich jedoch die Zielgruppe der Prozessfinanzierer. „Es war erst ein Verbraucherschutzthema, David gegen Goliath, der Erfinder gegen den Börsenriesen“, weiß Christian Rollmann, Vorstand der Foris AG. Doch in dem Markt der Privatleute, die mit Hilfe von Rollmann und Kollegen ihr Recht erstreiten sollen, ist der große Durchbruch bislang ausgeblieben. Annette Stich, die Sprecherin des Anwaltsuchservice in Köln berichtet: „Weniger als ein Prozent der Anrufer unseres Call Centers fragt nach Prozessfinanzierern.“

Statt zu kurz gekommenen Erben und streitbaren Nachbarn stehen inzwischen vor allem mittelständische Unternehmen vor der Tür vieler Verfahrensfinanzierer. „Sie können so ihre Liquidität schonen und müssen keine Prozessrückstellungen in der Bilanz auftauchen lassen“, wirbt der Foris-Chef. Vor allem, wenn es um knifflige Auslandsfälle geht oder Bereiche wie das Markenrecht berührt werden, wo die Erfolgsaussichten auch von Experten schwer zu beurteilen sind, setzen sie auf Finanzierer – um das eigene Risiko zu senken. „Es ist nicht das Geschäft, das man sich anfangs versprochen hat“, sagt Kai Schulze, Vorstand des Leipziger Prozessfinanzierers Acivo. Aber ebenso interessant.

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