Branchentreff in Indien
Heimspiel für Stahl-Magnat Mittal

Stahl-Milliardär Lakshmi Mittal hat mit dem Kauf maroder Werke ein gigantisches Vermögen gemacht. Nur in seinem Heimatland Indien konnte er bislang nicht richtig Fuß fassen. Auch bei der Welt-Stahlkonferenz macht er sich rar.
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Düsseldorf/Neu DelhiStahl-Milliardär Lakshmi Mittal gilt als ebenso öffentlichkeitsscheu wie reich. Das Vermögen des aus Indien stammenden Chefs des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal wird derzeit auf 12,7 Milliarden Pfund (rund 16 Milliarden Euro) geschätzt. Das reicht, um an seinem Wohnsitz in Großbritannien mühelos die Queen (Vermögen: 370 Millionen Euro) zu überflügeln. Bei der Welt-Stahlkonferenz in Neu-Delhi hat der aus bescheidenen Verhältnissen im nordwestindischen Unionsstaat Rajasthan stammende Stahl-Magnat in dieser Woche ein Heimspiel.

Doch der 62-Jährige macht sich wie gewohnt rar: Er hält keine Rede, erscheint nicht zum Dinner und schüttelt bei dem Spitzen-Treffen der internationalen Stahlbranche nur denjenigen Menschen die Hand, die es seiner Ansicht nach verdient haben.

Viele Inder sind stolz auf den Magnaten, weil er es von einem, der ohne fließendes Wasser und Strom aufwuchs, zu einem der reichsten Männer der Welt geschafft hat. Doch hört man sich bei der Stahlkonferenz auf den Fluren um, heißt es oft: Mittal habe einen indischen Pass, fühle sich aber längst britisch.

Der Stahl-Unternehmer wollte Medienberichten zufolge eigentlich 30 Milliarden US-Dollar in Indien investieren. Doch sechs Jahre nach der Unterzeichnung der ersten Absichtserklärung wartet Mittal noch immer. Verschiedene Behörden verweigern die Zustimmung. Der aufstrebende Subkontinent hat zwar große Vorkommen am Rohstoff Eisenerz. Doch Investoren haben Probleme, Land zu kaufen sowie Bergbau- und Baulizenzen zu bekommen.

Mittal lernte das Handwerk bei seinem Vater, der in den 50er Jahren eine Stahlfirma in Kalkutta kaufte. Doch sein Vermögen machte er außerhalb Indiens. Er sanierte marode Stahlwerke, zunächst in Indonesien, mit dem Kauf der Hamburger Stahlwerke startete er 1995 sein Engagement in Europa.

2006 übernahm er schließlich seinen größten Konkurrenten Arcelor - zunächst gegen den Widerstand des damaligen Managements. Mittal-Sohn Aditya wurde Finanzvorstand, Tochter Vanisha Direktorin und das Familienoberhaupt übernahm den Vorstandsvorsitz.

„Ich sehe, was andere nicht sehen“, begründete er einmal in einem Interview seinen Erfolg. Lange Zeit war der zurückhaltend wirkende Yoga-Anhänger Mittal von Konkurrenten nicht richtig ernst genommen worden. Seit fast zwei Jahrzehnten lebt er auch im Westen - derzeit in einem palastartigen Haus in den exklusiven Kensington Palace Gardens in London.

Weltweit beschäftigt der Stahl-Branchenprimus unter Führung von Mittal derzeit rund 260.000 Mitarbeiter, davon knapp 8.000 in Deutschland. Mit 61 Standorten weltweit wurden im vergangenen Jahr knapp 92 Millionen Tonnen Rohstahl produziert - das ist mehr als das Doppelte der gesamten deutschen Rohstahlproduktion von 44,3 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr.

Neben dem Stahlwerk in Hamburg ist ArcelorMittal in Deutschland noch in Bremen, Duisburg und Eisenhüttenstadt mit eigenen Standorten vertreten. Dazu kommt eine ehemalige Kokerei der RAG in Bottrop. Bei einer Rohstahlproduktion von rund sieben Millionen Tonnen erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,74 Milliarden Euro. Wegen der schlechten Wirtschaftslage hatte ArcelorMittal erst Anfang Oktober die Schließung eines Hochofenwerks in Lothringen angekündigt.

Mit einem eigenen Weg abseits des Stahls hat dagegen Mittal-Schwiegertochter Megha für Schlagzeilen gesorgt. Nach der Übernahme des insolventen Damenmodeherstellers Escada zog die frühere Investmentbankerin persönlich in den Aufsichtsrat ein. Mit einer entstaubten Kollektion und niedrigeren Preisen sorgte die Inderin seitdem dafür, dass der Modekonzern wieder Tritt fassen konnte.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zeigte sich die Mittal-Schwiegertochter im vergangenen Jahr jedoch bescheiden: „Es gibt noch einige schöne alte Sachen, die ich auftrage“, gab sie zum Zustand ihres Kleiderschranks zu Protokoll.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist zwar nicht ausgeschlossen aber dennoch relativ widersprüchlich, dass Herr. Mittal ohne fließend Wasser und Strom aufgewachsen ist aber Herr Mittal Senior in den 50zige Jahren ein Stahlwerk gekauft hat. Ein Stahlwerk zu kaufen ist sicherlich aufwendiger als einen gebrauchten Toyota zu kaufen. Des Weiteren scheint Mr. Mittal in den 50ziger Jahre geboren zu sein, d.h. innerhalb von zehn Jahren wurde das „erste“ Stahlwerk gekauft und das ohne Wasser und Strom. Die Gesamtleistung von Familie Mittal steht außer Frage.

    Jedoch stellt sich tatsächlich die Frage, welchen Stellenwert die Familie heute hätten, wenn sie damals schon Strom gehabt hätten.

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