Branchenverband Bitkom
Gerangel ums Präsidentenamt

Die Reihen der Anwärter auf den Chefsessel des Bitkoms, des Branchenverbands der Informations- und Kommunikationsindustrie, lichten sich. Der bisherige Präsident Willi Berchtold kann sich den Statuten zufolge nicht erneut zur Wahl stellen, ein anderer Kandidat hat dem Verband eine Absage erteilt. Nun hat O2-Chef Rudolf Gröger die besten Karten.

FRANKFURT. Rudolf Gröger, 52, kann sich offenbar Hoffnungen auf den Chefsessel des Bitkoms machen, des Branchenverbands der Informations- und Kommunikationsindustrie. Das ist aus dem Umfeld von IT-Unternehmen zu hören.

Der bisherige Präsident Willi Berchtold, dessen Amtszeit mit der Bitkom-Jahrestagung am 22. und 23. Juni endet, kann sich den Statuten zufolge nicht erneut zur Wahl stellen, da sein Vertrag bereits einmal verlängert wurde. Ein Bitkom-Sprecher wollte die Informationen am gestrigen Dienstag nicht kommentieren.

Wie zu hören ist, sind die Chancen Grögers gestiegen, weil der ebenfalls als Favorit gehandelte Karl-Heinz Streibich abgesagt hat. „Wir hatten die Chance, in diesem Jahr zwei wichtige Unternehmen zu übernehmen. Jetzt muss ich mich auf die Integration konzentrieren. Deshalb kann ich so etwas wie das Präsidentenamt nicht machen“, sagte Streibich, im Hauptberuf Vorstandschef der Software AG, am Dienstag auf Nachfrage.

Die Absage verdeutlicht das Dilemma vieler Branchenverbände. Eigentlich müssten sie durch die Vorstandschefs der gewichtigsten Mitgliedsfirmen repräsentiert werden. Doch die haben in der Regel kaum Zeit und freie Kapazitäten für solche Ämter.

Mit Gröger würde ein erfahrener IT- und Telekommanager an die Spitze des Verbandes rücken. Er führt die Geschäfte von O2 Deutschland seit 2001. Seit 2003 sitzt er zudem im Vorstand der O2 Group von Telefónica. Bevor er bei dem Telekomunternehmen anfing, arbeitete er in verschiedenen Funktionen bei Siemens und der Deutschen Telekom. Dort leitete er zuletzt das Vertriebsgeschäft der Geschäftskundensparte der IT-Tochter T-Systems.

Ob Gröger aber am Ende das Rennen machen wird, ist noch nicht entschieden. O2 wollte sich am Dienstag dazu nicht äußern. Viel hängt davon ab, wie sich das Schwergewicht unter den Bitkom-Mitgliedern, die Deutsche Telekom, entscheidet. Derzeit rechnen Branchenbeobachter mit einem Ja von Telekom-Chef René Obermann, der auch im Bitkom-Präsidium sitzt. Gröger werde viel eher das „Go“ bekommen als etwa sein Kollege Harald Stöber, Chef des Telekom-Rivalen Arcor, ist zu hören.

Zudem ist der Bitkom für Überraschungen gut. So galt bei der letzten Präsidentenwahl als sicher, dass Amtsinhaber Berchtold ausscheidet – am Ende durfte er noch mal ran.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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