Brasilien
Jaguaracy San Just: Von ganz unten nach oben

Brasilien hat seine Schwächen überwunden und gute Chancen, gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorzugehen. Das Handelsblatt stellt Personen vor, die das Land am Zuckerhut voran bringen. So wie Jaguaracy San Just. Der Kleinunternehmer zeigt auf beeindruckende Art und Weise, wie man in Brasilien trotz Wirtschaftskrise vorankommt.

SALVADOR. Der Weg Jaguaracy San Justs schien vorbestimmt: Farbiger ohne akademische Ausbildung, keine Kontakte zu höheren Kreisen, Ausbildung als Elitesoldat, 1,90 groß, kräftig - kein Zweifel, San Just würde irgendwann bei einem Sicherheitsdienst anheuern, um mit einem dunklen Anzug schwitzend den Eingang eines "Condomínios", jene geschützten Wohngebiete, in die sich die Mittelschicht in der Drei-Millionen-Metropole Salvador zurückzieht, zu bewachen. Um bei jedem ein- oder ausfahrenden Auto "Bom dia, Doutor" und "Boa noite, Madame" zu sagen.

Doch es kam anders. Heute trägt der 42-Jährige täglich ein frisch gebügeltes Leinenhemd und Stoffhosen. Wenn er mit seinem überdimensionalen, schwarzen Pick-up irgendwo vorfährt, um über Aufträge zu verhandeln, dann grüßen ihn die Sicherheitsleute mit "Tudo bem, doutor" - "Wie geht's, Herr Doktor?" und vermuten, dass er Fußballer ist, vielleicht Samba-Sänger - oder doch ein US-Amerikaner? Afro-Brasilianer als erfolgreiche Unternehmer sind selten in Brasilien.

Dennoch steht San Just für einen neuen Trend in Brasilien. Das kräftige Wirtschaftswachstum zwischen 2003 und 2008 hat das Land und die Gesellschaft im Eiltempo verändert. Brasiliens Mittelschicht wächst wieder, nachdem sie die letzten zwei Dekaden geschrumpft ist. Inzwischen gehört die Mehrheit der Brasilianer wieder dazu. Mittelschicht heißt in Brasilien ein monatliches Familieneinkommen von 400 Euro aufwärts. 120 Millionen von 190 Millionen Brasilianern sind das.

Auch neu ist, wie und wo die neue Mittelschicht ihr Geld verdient: Es ist nicht mehr der Staat, der sie mit Jobs versorgt. Viele der Staatsunternehmen sind privatisiert. Der Aufstieg gelingt den meisten Brasilianern jetzt im Privatsektor. Überdurchschnittlich viele machen sich selbstständig. Jeder achte Brasilianer ist mittlerweile Unternehmer, vielfach nicht aus freier Entscheidung, sondern aus purer Not, weil es kein soziales Netz gibt.

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