Brief-Beförderung
Pin-Group-Chef bietet Post Paroli

Pin-Group-Chef Günter Thiel will der Deutschen Post bei der Brief-Beförderung Paroli bieten. Das Ziel: Den Erfolg seines ersten Unternehmens Thiel Logistik wiederholen. Der Grundstein dafür ist bereits gelegt.

DÜSSELDORF. Im Sommer vergangenen Jahres hatte Günter Thiel wieder einmal einen großen Auftritt. Unter seiner Regie schlossen sich drei deutsche Zeitungsverlage zusammen, um gemeinsam der Deutschen Post bei der Briefbeförderung Konkurrenz zu machen. "Die erfolgreiche Bündelung der Verlage unter dem Dach der Pin Group war vielleicht meine bisher größte unternehmerische Leistung", sagt Thiel, der heute Geschäftsführer der Pin Group ist.

Viele Vertreter der Logistikbranche werden sich über die Einigung der Verlage kaum gewundert haben. Denn Thiel, der alle Beteiligten an einen Tisch brachte, ist eine der Lichtgestalten der Branche in Europa. Sein Name weckt Erinnerungen an eine andere Unternehmung: Die Thiel Logistik, Schwergewicht und lange Zeit Liebling des Börsensegments Neuer Markt, die in Spitzenzeiten rund 13 000 Beschäftigte zählte und schon in den Jahren vor dem Börsengang mehr als 60 Unternehmen übernahm. Nach Meinungsverschiedenheiten mit einem neuen Großinvestor verabschiedete sich der Gründer vor dreieinhalb Jahren aus dem Unternehmen, das heute im S-Dax notiert ist.

Thiel hatte schon als Kind mit seiner späteren Branche zu tun: Sein Vater arbeitete bei der Post. In der Heimatstadt Trier ging der Sohn bei einem Spediteur in die Lehre, nach der Ausbildung wechselt er zu einem Kölner Unternehmen. Damals waren Arbeitskräfte rar, und Thiel verstand etwas vom Geschäft, stieg gleich als Filialleiter ein. "Die Niederlassung war seit zwanzig Jahren defizitär. Nach einem Jahr haben wir schwarze Zahlen geschrieben - das war der unternehmerische Auftakt", erinnert er sich.

Mitte der achtziger Jahre wurde Thiel Geschäftsführer einer mittelständischen Spedition in Luxemburg. Am Unternehmen beteiligen wollte ihn die Eigentümerfamilie jedoch nicht, also machte er sich mit Partnern selbständig. Das erste Büro war die heimische Garage, seine Frau übernahm die Finanzbuchhaltung. Thiel selbst kümmerte sich um Marketing und Akquisition. Mit Verlagen konnte er schon damals gut, der erste große Auftrag kam von einem Luxemburger Zeitungshaus. Nach kurzer Zeit zog das Unternehmen in die erste richtige Firmenzentrale um, doch die 150 Quadratmeter füllten sich schneller als gedacht. "Nach nur einem Jahr musste ich mein Büro schon wieder mit vier Mitarbeitern teilen", erinnert sich Thiel nicht ohne Stolz.

Das Unternehmen dehnte seinen Wirkungskreis schnell auf ganz Europa aus, die Zentrale blieb in Luxemburg. "Hier sind die Chancen für mittelständische Unternehmen einfach besser als anderswo", sagt Thiel. Die Wege der Verwaltungen im Kleinstaat seien kürzer, Lobbyarbeit auch von Unternehmen selbst machbar: "Ich schätze die Arbeit der Verbände in Deutschland. Die Möglichkeiten der Einflussnahme des Mittelstandes sind aber geringer und entsprechen sicherlich nicht seiner wirtschaftlichen Bedeutung", urteilt Thiel.

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