Britische Aufsichtsräte sind am besten, Deutschland rutscht auf Platz neun vor Schlusslicht Italien, zeigt eine Corporate-Governance-Studie
Vom begehrten Ehrenamt zur leidigen Pflicht

Hausaufgaben gewissenhaft erledigt, Notenschnitt verbessert – und trotzdem fast bis zum Klassenletzten abgerutscht. So sieht das druckfrische Zeugnis der Dax 30 im Fach Corporate Governance aus.

Die Zensuren für gute Unternehmensführung und -aufsicht werden alle zwei Jahre von Heidrick & Struggles, einer führenden internationalen Personalberatung für das Top-Management, in insgesamt zehn Ländern Europas vergeben.

„Zwar haben sich die deutschen Aufsichtsräte kontinuierlich verbessert, sind transparenter, unabhängiger und professioneller geworden“, attestiert Florian Schilling, verantwortlicher Partner für internationale Boardaktivitäten bei Heidrick & Struggles. „Aber die Reformen in anderen Ländern waren definitiv schneller.“ So fielen deutsche Unternehmen von Rang sieben auf Rang neun zurück – knapp vor Schlusslicht Italien. Kein Ruhmesblatt, denn im globalen Wettbewerb um Kapital und Köpfe ist der Ausweis einer guten Corporate Governance ein wichtiger Trumpf.

Die Spitzenposition hält weiterhin Großbritannien. Überraschender Aufsteiger ist die Schweiz, die von Rang sechs auf den zweiten Platz vorrückte. Bewertet wurden 294 führende Aktiengesellschaften in Europa nach diesen Kriterien: Arbeitsweise und Zusammensetzung der Boards sowie Transparenz in puncto Bezüge und Positionen einzelner Aufsichtsratsmitglieder. Um eine Vergleichbarkeit der verschieden strukturierten Boards zu gewährleisten – in Deutschland sind Vorstand und Aufsichtsrat strikt getrennt, in Großbritannien sitzen alle in einem Board, in Italien gibt es eine Mischform–, befasst sich die Studie laut Schilling vor allem mit Non-executive Directors, d.h. Aufsichtsräten und nichtgeschäftsführenden Boardmitgliedern.

Wodurch zeichnen sich Aufsichtsgremien mit guter Unternehmensführung aus? Auffällig ist: Die drei Länder mit den besten Noten – Großbritannien, die Schweiz und die Niederlande – kommen mit den kleinsten Aufsichtsräten aus. In den britischen Unternehmen gibt es im Schnitt 7,6 Aufsichtsratsmitglieder, die neunmal im Jahr tagen. Deutsche Aufsichtsräte dagegen sind mit 18,6 Mitgliedern mit Abstand die größten, konferieren zudem am seltensten – nur fünfmal.

„Die gesetzlich vorgeschriebene Größe und Zusammensetzung deutscher Aufsichtsräte sind ein großes Handicap im Wettbewerb mit anderen Ländern“, kritisiert Schilling. „Sie erschweren offene und effiziente Diskussionen – zum Nachteil der Firmen.“

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