Buchvorstellung in Berlin
Ackermanns perfekte Inszenierung

Die Vorstellung einer Biografie über Josef Ackermann wurde schnell zur Nebensache. Der Manager selbst stand wegen brisanter Ereignisse im Mittelpunkt. Und er nutzte die Gelegenheit für eine gelungene Selbstinszenierung.
  • 0

BerlinAls Josef Ackermann schon längst das Regent Hotel im Berliner Bezirk Mitte verlassen hat, erzählt sein langjähriger Kommunikationschef bei der Deutschen Bank, Stefan Baron, etwas über seinen früheren Vorgesetzten, dass dessen Kurzauftritt bei der Vorstellung der Ackermann-Biografie „Späte Reue“ treffend beschreibt. Der Berufsalltag des Schweizers sei immer „bis ins letzte Detail durchgetaktet“ gewesen, sagt Baron. Eine wirklich „sehr spezielles Leben“ habe Ackermann geführt.

Das Spezielle oder Besondere kommt auch heute zum Vorschein. Ackermann überlässt bei der Buchvorstellung nichts dem Zufall. Er betritt den Raum durch einen Seiteneingang. Akkurat gekleidet, hellgrauer Anzug, silberfarbene Krawatte. Dutzende Journalisten nehmen ihn in Empfang. Blitzlichtgewitter. Ackermann lächelt, bahnt sich den Weg Richtung Podium, verweilt dort mehrere Minuten. Für die Kameras, für die Fotoreporter. Er tut, was man ihm sagt. Er blickt - immer lächelnd -  nach vorn, nach links, nach rechts und wieder zurück. Mit dem Buch, ohne das Buch. Dann ist Schluss. Ackermann setzt sich.

Zu diesem Zeitpunkt ist schon klar, dass Ackermann Journalistenfragen nicht beantworten wird. „Ich bin hier ja nicht der Mittelpunkt“, sagt er scherzhaft, als er noch draußen vor dem Raum „Gonthard“ steht. Dabei gebe es so viel, worüber sich zu reden lohnen würde: Ackermann war vor kurzem als Verwaltungsratschef bei Zurich Insurance zurückgetreten, nachdem sich Finanzchef Pierre Wauthier das Leben genommen hatte. Auslöser des Rücktritts waren Vorwürfe der Witwe Wauthiers, wonach Ackermanns Führungsstil zu dem Suizid beigetragen haben soll. Der Verwaltungsratschef wurde zudem im Abschiedsbrief erwähnt.

Die Journalisten hoffen dennoch, dass sich Ackermann erklärt. Der Verlagsleiter beendet dann die Ungewissheit. Eigentlich gehe es bei dieser Veranstaltung um das Buch, aber Ackermann stehe nun mal „gewollt oder ungewollt im Mittelpunkt“, sagt er. Daher werde zunächst Ackermann 15 Minuten lang eine kurze Ansprache halten, danach werde auf dem Podium aber nur noch über die Biografie gesprochen. Freilich ohne Ackermann.

Speziell ist an dieser Buchvorstellung, dass sich der Manager vor allem Zeit für sich selbst nimmt. Wer mit einer Überraschung gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Ackermann liefert im Fall der Zurich Insurance nichts Neues. Er gesteht nichts ein, er wiegelt aber auch nicht ab. Er will die Ereignisse so wahrhaftig wie möglich darstellen, obwohl er, wie er betont, alle Fragen mit seiner Rücktrittserklärung „weitgehend“ angesprochen habe.

Seite 1:

Ackermanns perfekte Inszenierung

Seite 2:

„Ich muss jetzt leider weiterziehen“

Kommentare zu " Buchvorstellung in Berlin: Ackermanns perfekte Inszenierung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%