Bücher über Manager
Zwischen Gewissen und Größenwahn

Thomas Middelhoff wird es nicht gerne lesen: Als "Symbolfigur des Niedergangs" sei er einer von vielen "Absahnern ohne Skrupel", so das Urteil der neuen deutschen Management-Literatur über den früheren Lenker von Bertelsmann und Arcandor. Doch zwei neue Bücher belegen: Es gibt noch gute Manager.
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Im ersten Nach-Krisen-Jahr feiern die Wirtschaftsbücher nicht mehr die besten M&A-Deals der Konzerne. Sie widmen sich dem Innersten der Führungszirkel: dem Gewissen und seinem Gegenspieler Größenwahn. Middelhoff gilt in den beiden Neuerscheinungen "Die Moral-Macher" von einer Autorengruppe um Jobst-Ulrich Brand und Carin Pawlak und "Managerismus" von Manfred Hoefle als glamouröses Negativbeispiel.

Doch die Rettung naht, trösten die "Moral-Macher"-Autoren, allesamt Redakteure des Nachrichtenmagazins Focus. Ihre Begabung: Heilsbringer der Wirtschaft in elf Porträts sprachlich spritzig und mitreißend darzustellen. "Erst kommt das Fressen. Dann lange nichts. Und irgendwann vielleicht doch - die Moral?" Die Tugend wird im Sachbuch von Altbekannten wie dm-Drogeriemarkt-Gründer Götz Werner, gefallenen Engeln wie Banker Karl Matthäus Schmidt, aber auch von Überraschungen wie dem Finanzchef des Mobilfunk-Konzerns O2, André Krause, verkörpert. Der frühere McKinsey-Berater vertritt eine soziale Philosophie: "Die Zeiten des Strebens nach kurzfristiger Gewinnmaximierung sind endgültig vorbei."

An deren Allgemeingültigkeit zweifelt jedoch der frühere Siemens-Manager Manfred Hoefle mit seinem provokanten Titel "Managerismus". Das 247 Seiten starke Erklär-Buch soll Hoefles selbst erschaffenem Begriff und der zugehörigen Internet-Plattform einen halbwissenschaftlichen Unterbau verschaffen. Zwar ist auch Hoefle auf der Suche nach "weitsichtigen Unternehmern und verantwortungsvollen Managern", die er besonders bei deutschen Traditionsunternehmen wie Bosch oder dem Maschinenbauer Trumpf auszumachen glaubt. Doch die "Vereinnahmung von Publikumsgesellschaften durch ihr angestelltes Management" sei eine weit verbreitete "Krankheit", die es zu heilen gelte. Manager-Kaste, aufgepasst!

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