Büro-Arbeit
Wie im Kral in Afrika

Nur jede zweite Firma fragt ihre Leute, wie sie gern sitzen. Teamarbeit, die erfolgreich sein voll, erfordert aber flexible Büros – mit Rückzugsräumen und Tratschecke. In der tristen Wirklichkeit befindet sich die Kaffeeküche allzuoft in einer Schmuddelecke neben den Toiletten.

BRAUNSCHWEIG. „Ein funktionierendes Büro sieht aus wie ein afrikanischer Kral. Jeder hat seine Hütte, und dazwischen gibt es den Dorfplatz zur Kommunikation.“ Zurück zu den Wurzeln – so sieht die schöne neue Arbeitswelt von Architekten wie Hans Struhk aus Braunschweig aus. Doch die Wirklichkeit ist weit trostloser: „Es gibt viel zu viele muffige Büros“, klagt Wilhelm Bauer, Büro-Experte vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Zwei Drittel aller Fach- und Führungskräfte sitzen heute in klassischen Zellenbüros mit bis zu drei Mitinsassen. Dies ergab eine Befragung von 304 Personalchefs durch den Personaldienstleister Randstad mit dem Handelsblatt.

Konkret: Im Einzelzimmer arbeiten 18 Prozent der Fach- und Führungskräfte, 20 Prozent in Zweier-zimmern und 28 Prozent in Zimmern mit mehreren Personen. Bauer gibt zu bedenken: „Es ist erweisen, dass bei zwei Leuten im Büro das Störungspotenzial etwa durch Telefonieren am größten ist. Und auch Großraumbüros sind keineswegs erstrebenswert.“ Obwohl 92 Prozent der Personaler den Nachteil durch Lärmbelästigung sehen, muss fast jede fünfte Fach- und Führungskraft ihr Arbeitsleben im Großraumbüro fristen. Warum die Unternehmen sie dennoch wollen? Wegen der kurzen Wege und der besseren Kommunikation, loben je 70 Prozent. Und weil „arbeitsscheue“ Mitarbeiter im Großraumbüro besser unter Beobachtung stehen – das glaubt fast jeder vierte Personaler.

„Flexible Büroformen dagegen sind in deutschen Unternehmen rar“, resümiert Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad Deutschland. Nur neun Prozent der Fach- und Führungskräfte haben einen Heimarbeitsplatz. Bei zwei Dritteln der Firmen, die einen anbieten, wird er kaum genutzt. Auch Kombi- oder Projektbüros haben Seltenheitswert, zeigt die Studie. Dabei hat sich die Art der Arbeit in den letzten 15 Jahren erheblich gewandelt – weg von der Sachbearbeitung hin zu projektorientierter Wissensarbeit. Büroexperte Bauer: „Die Kommunikation mit anderen Abteilungen wird immer wichtiger. Und das erfordert eine gänzlich andere flexible Sitzordnung. Denn das Büro ist heute eine bedeutende Ressource im globalen Wettbewerb.“ Die Gestaltung des Arbeitsplatzes hat großen Einfluss auf Motivation und Leistungsfähigkeit, betont Randstad-Chefin Heide Franken. Schon Winston Churchill wusste: „Erst formen wir unsere Gebäude, dann formen die Gebäude uns.“ Bauer: „Firmen unterschätzen meist, wie stark Räume die Menschen prägen.“ Schlecht, wenn diese Räume nicht mehr zur variablen Arbeitsform passen. So fand das IAO kürzlich bei einen Automobilzulieferer heraus: Jeder Mitarbeiter zog im Schnitt einmal im Jahr um. Ein enormer logistischer Aufwand.

„Unser Haus ist eine permanente Baustelle“, erzählt auch Gerd Corbach, Verwaltungsleiter der Wirtschaftsprüfer und Berater Deloitte & Touche in Düsseldorf. „Die Abteilungen wachsen eben unterschiedlich schnell.“ Umbauen ist im preisgekrönten Atriumglaspalast Spherion mit 1 500 Arbeitsplätzen aber kein Akt. „Die mobilen Glas- und Holzwände sind schnell umzustecken, jeder kann seinen Laptop in eine Funktionswand aus Holz einklinken und losarbeiten“, preist Corbach. Multi-Space-Büro taufte Fraunhofer-Experte Bauer das flexible Büro der Zukunft – ein Teamraum für zehn bis 20 Personen mit variablen Stellwänden und Rückzugsräumen zum konzentrierten Arbeiten.

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