Buhrow neuer WDR-Intendant
„Ich bringe die Liebe mit“

Vom Journalisten zum Chef eines Medienriesen: Tom Buhrow wird neuer Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Der „Tagesthemen“-Moderator wurde mit überwältigender Mehrheit gewählt – und will zum „Anfassen“ sein.
  • 7

KölnHerr Buhrow, ein Lächeln bitte! Lächeln rechts, lächeln links – Tom Buhrow dreht sich geduldig im Takt der Fotografen. Er ist mit großer Mehrheit zum Intendanten des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gewählt worden. Sein Lächeln wird ihm dabei genutzt haben: Was der öffentlich-rechtliche Rundfunk in dieser komplexen Welt mehr als alles andere brauche, seien Kooperationsbereitschaft und Kommunikationsstärke, erklärt Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats.

Hier will der Journalist Buhrow als Manager Akzente setzen. Er wolle „in die Hocke gehen“ und auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern kommunizieren, erklärt er. Auf den Marktplätzen wolle er sich tummeln und den Bürgern in Nordrhein-Westfalen den WDR Nahe bringen. „Ich möchte zum Anfassen sein“, sagt Buhrow.

Zuvor war der „Tagesthemen“-Moderator im Rundfunkrat mit 41 von 47 Stimmen zum Intendanten gewählt worden. Vier Stimmen entfielen auf den Intendanten von Radio Bremen, Jan Metzger, zwei Stimmen auf den Direktor bei der Europäischen Rundfunkunion, Stefan Kürten. Die bisherige WDR-Intendantin Monika Piel war aus Gesundheitsgründen zurückgetreten.

Wie man so einen Riesenladen wie den WDR verwalte, damit habe er keine Erfahrung, gibt Buhrow offen zu. Zu einer guten Führung aber gehöre, dass man den Leuten vertraue, die dies schon seit Jahren erfolgreich täten. Die größte Herausforderung sei zweifellos die „rapide sich beschleunigende Veränderung durch das Internet“. Buhrows Antwort darauf: Ein Ende des „Schienendenkens“. Ein Journalist sei in Zukunft nicht mehr für ein bestimmtes Medium oder Format, sondern nur noch für die optimale Verbreitung seiner Idee zuständig.

Für Buhrow, geboren in Troisdorf bei Köln, ist die Intendanz eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er hat beim WDR volontiert und danach unter anderem bei dem Regionalmagazin „Aktuelle Stunde“ gearbeitet. Anschließend war er lange Korrespondent in Washington, bevor er 2006 als Nachfolger von Ulrich Wickert Moderator der ARD-„Tagesthemen“ wurde. Nach Friedrich Nowottny und Fritz Pleitgen ist er der dritte bekannte Fernsehjournalist an der Spitze des WDR. Auch Piel hatte Jahrzehnte als Journalistin gearbeitet, vor allem im Hörfunk.

Wie es weitergeht bei den Tagesthemen will Buhrow noch nicht sagen. Eine Woche müsse er bestimmt noch moderieren. „Ich muss mich doch noch persönlich von den Zuschauern verabschieden!“ Die Tagesthemen, das sei sein Lebenstraum gewesen. „Danach hatte ich keinen Traum mehr.“ Die neue Aufgabe beim WDR habe ihn gesucht, nicht umgekehrt. Er nehme sie aber nur allzu gerne an. „Ich liebe den WDR“, sagt Buhrow.

Seite 1:

„Ich bringe die Liebe mit“

Seite 2:

Spekulationen um „Tagesthemen“-Nachfolge

Kommentare zu " Buhrow neuer WDR-Intendant: „Ich bringe die Liebe mit“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Chapeau! Das ist gut beobachtet und beschreibt die dahinterstehende dunkle Seite des schönen Spiels: Ich wähl Dich und Du verführst mir schön den doofen Deutschen Michel und bläst ihm täglich großen Unsinn - mal Verdrehung mal die Halbwahrheit mal Klamauk - ins Hirn. Dann sind wir gute Freunde. Wenn das nicht Liebe ist...

  • Ich frage mich, welche Qualifikation der neue Intendant eigentlich mitbringt, die seine Entlohnung rechtfertigt? Dafür dass er nun ein Milliarden Budget verwaltet, hat er doch mit Hinblick auf Verwaltungsaufgaben keine Erfahrungen vorzuweisen. In jedem normalen Unternehmen wäre seine Bewerbung schon von der Sekretärin aussortiert worden.
    Da er die Liebe mitbringt, hätte er es mal bei der Kirche versuchen sollen. Da er aber beim WDR arbeitet, besteht für mich der Verdacht, dass man einen echten Frühstücksdirektor gesucht, gefunden und gewählt hat, damit alle anderen leitenden Angestellten zusammen mit den Politikern weiter ihre eigenen Interessen verfolgen können. es sollte mich ja freuen, wenn ich da falsch liege.

  • „Ich bringe die Liebe mit“

    Schön für dich. Aber ich steh nicht auf dich.

    Von mir deshalb keine Kohle.

    Tschüss GEZ.

    LG
    Blackstone

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%