Bund wirbt um ausländische Forscher
Globale Konkurrenz um die klügsten Köpfe wächst

Der weltweite Wettbewerb um den wissenschaftlichen Nachwuchs wird härter. Das weiß auch Wolfgang Frühwald. Der Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung lockt im Auftrag des Bundes promovierte Forscher aus Südamerika nach Deutschland.

PORTO ALEGRE. „Heute können die besten Postdocs unter Stellen in zehn Länder wählen – die schärfste Konkurrenz herrscht in Südostasien“, berichtet der Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH), Wolfgang Frühwald. „Neben Indien und Japan bieten vor allem die kleinen Tiger Korea, Malaysia und Singapur Forschern teils weit bessere Bedingungen als wir. Mit den Gehältern in Singapur etwa kann kein deutsches Labor mehr konkurrieren. Vor allem Biologen können dort reich werden.“

Weil aber hier zu Lande in vielen Disziplinen Nachwuchs fehlt, muss Deutschland sich dem internationalen Wettbewerb stellen und um ausländische Forscher werben. Als interessantes und bei weitem nicht ausgeschöpftes Reservoir gilt derzeit Lateinamerika – speziell Brasilien. Die Humboldt-Stiftung holt im Auftrag des Bundes promovierte Forscher mit Stipendien zumindest auf Zeit nach Deutschland. „Wir wollen die Besten der Welt“, sagt Frühwald, der zuvor auch Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war. Um mehr Topforscher aus Südamerika anzulocken, veranstaltete die AvH soeben ein Kolloquium im südbrasilianischen Porto Alegre.

Brasilien hat enorm aufgeholt: „Die Zahl unserer wissenschaftlichen Publikationen ist achtmal so schnell gewachsen wie im weltweiten Durchschnitt – zuletzt haben wir Schweden und die Schweiz überholt“, sagt der Präsident der brasilianischen Forschungsgemeinschaft Capes, Jorge Almeida Guimarães. Die erste brasilianische Uni entstand erst vor 72 Jahren – heute hat das Land bei 185 Millionen Einwohnern bereits 4,2 Millionen Studenten. Die Quote ist bereits jetzt so hoch wie in Deutschland. Fachlich punktet Brasilien vor allem in Agrarwissenschaften, Automation, Luft- und Raumfahrt und natürlich bei der Erforschung von Biokraftstoffen, auf die sich nun die Augen der Welt richten.

„Auch in der technischen Informatik sind die Brasilianer absolut auf Weltniveau“, sagt Delegationsmitglied Franz Rammig, Vizepräsident der deutschen Gesellschaft für Informatik. Rammig kooperiert bereits mit drei brasilianischen Unis. Während der Tagung vereinbarte er mit einem Kollegen aus Santa Catarina, gemeinsam ein EU-Projekt zu beantragen. Im angelaufenen 7. Forschungsrahmenprogramm der EU ist erstmals auch Brasilien als Antragsteller akzeptiert, ähnlich wie die Schweiz.

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