Bundesbank
Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer wird 75

Die Sorge um den Euro lässt Hans Tietmeyer nicht zur Ruhe kommen. Der ehemalige Bundesbank-Präsident ist nun schon seit sieben Jahren im Ruhestand und dennoch eher auf Kongressen und Sitzungen anzutreffen als zuhause in Königstein im Taunus.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Sorge um den Euro lässt Hans Tietmeyer nicht zur Ruhe kommen. Der ehemalige Bundesbank-Präsident ist nun schon seit sieben Jahren im Ruhestand und dennoch eher auf Kongressen und Sitzungen anzutreffen als zuhause in Königstein im Taunus.

Der prominente Ruheständler, der an diesem Freitag 75 Jahre alt wird, ist als Ratgeber nach wie vor ein gefragter Mann. Insider nennen Tietmeyer die „Ikone der Geldpolitik“ oder in Anlehnung an den legendären amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan den „Greenspan Europas.“ Erst im vergangenen Jahr hat er in einem Buch die „Herausforderung Euro“ beschrieben. Sein Wort hat Gewicht.

Dieses Gewicht nutzt der Marktliberale, um unermüdlich für eine politische Union Europas zu werben, die den Euro institutionell absichern sollte. Nur dann könne die Währung stabil bleiben. Die Defizitpolitik vieler Euro-Staaten und die Aufweichung des Euro- Stabilitäts- und Wachstumspaktes sind ihm ein Dorn im Auge. „Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, aber der Erfolg muss gesichert werden“, warnt der Ex-Bundesbank-Chef, der von 1993 bis 1999 sechs Jahre an der Spitze der Notenbank stand und als einer der Väter der europäischen Einheitswährung gilt. „Der Euro braucht mehr politische Gemeinsamkeit.“ Die Euro-Zone dürfe nicht zu schnell wachsen.

Seine Besorgnis schildert der gebürtige Westfale seinem Naturell entsprechend: Sachlich und trocken. Er gibt die Anekdote zum Besten, er habe 1998 im Jahr der Euro-Einführung das Orakel von Delphi gefragt, welche Währung auf Dauer stabiler sein werde, die Mark oder der Euro. Zur Antwort habe er erhalten: „Die Mark nicht der Euro.“ Offen ließ Tietmeyer, welche Währung es denn nun sei: an welcher Stelle das Orakel das Komma setzte, ob vor oder nach dem „nicht“, klärt er bewusst nicht auf.

Der Diplom-Volkswirt „mit preußischer Disziplin“, wie er selbst sagt, ist der letzte Bundesbankpräsident mit der ganzen Machtfülle der D-Mark gewesen. Zugleich war er der erste Präsident, der im Europäischen Zentralbankrat sein Gewicht für Deutschland in die Waagschale werfen konnte. Seine Karriere begann er 1962 als Bonner Beamter im Wirtschaftsministerium. Anschließend führte sie ihn über den Staatssekretärsposten im Finanzministerium ins Direktorium der Bundesbank. Sein Abschied als Währungshüter bei der Notenbank 1999 markierte auch das Ende der Epoche der D-Mark.

Heute sitzt Tietmeyer noch in vielen Gremien und Aufsichtsräten. Als Vorsitzender des Kuratoriums der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ will er die Erneuerung der Marktwirtschaft vorantreiben, die ihm immer am Herzen gelegen hat. Um die ökonomische Bildung der jüngeren Generation kümmert er sich als Präsident der European Business School in Oestrich-Winkel und als Honorarprofessor an der Universität Halle-Wittenberg.

Politischem Druck ist Tietmeyer selten ausgewichen. Als CDU-Mitglied verfasste er 1982 für den damaligen FDP-Wirtschaftsminister das „Lambsdorff-Papier“, das den Bruch der sozialliberalen Regierung und den Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) einleitete. Als Berater des Bundeskanzlers bei der deutschen Wiedervereinigung kritisierte er die Währungsumstellung in der DDR 1990 im Verhältnis 1:1 als großen Fehler. Seine Standfestigkeit hat Tietmeyer in einem Interview einmal selbst so beschrieben: „Westfälische Eichen können schon einiges aushalten.“ Im Garten der Bundesbank pflanzten Einwohner aus seiner Heimatstadt Metelen zu seiner Amtszeit eine Eiche, die noch heute dort wächst und schon mehr als drei Meter groß geworden ist.

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