Bundesbank-Vizechef Stark ist vorübergehend am Ziel
Kompromissloser Stabilitätspolitiker

So tragisch die Adlon-Affäre für die Bundesbank und ihren Präsidenten auch sein mag – der Skandal hat seine ironischen Seiten. Dazu gehört, dass der Fehltritt von Bundesbank-Chef Ernst Welteke in der Silvesternacht 2001 dessen Vize Jürgen Stark nun doch noch an die Spitze der einst ehrwürdigen Institution katapultiert hat. Einen Posten, den Stark lange schon will, den der 55-jährige nach Meinung vieler auch schon lange verdient hat, auf den er ohne die Affäre aber wohl keine Chance gehabt hätte.

mak/mm FRANKFURT/M. Nachdem die Bundesregierung bereits ihren eigenen Weltekte-Nachfolger im Peto hat, dürfte sich Starks Zeit an der Bundesbank-Spitze aber höchstens auf die Zeit beschränken, bis die Staatsantwaltschaft die Vorwürfe gegen Welteke geklärt hat. Solange bestimmt Stark im EZB-Rat auch die Geschicke der europäischen Geldpolitik mit.

Größer könnten die Gegensätze zwischen dem Bundesbankpräsidenten in Ruhe- und seinem Nachfolger in Lauerstellung gar nicht sein. Auf der einen Seite der extrovertierte Welteke, der gemütliche Nordhesse, der gewiefte Politiker, der gar nicht erst versucht hat, sich den Anschein einer geldpolitischen Koryphäe zu geben. Auf der anderen Seite der reservierte Stark, der Perfektionist, der promovierte Wirtschaftswissenschaftler mit der preußischen Arbeitsmoral. In seinem präzise gestutzten Schnurrbart sträubt sich kein Haar, der Seitenscheitel sitzt, als wäre er in Beton gegossen. Die französische Presse apostrophierte Stark als Mann „mit bohrendem Blick und rarem Lächeln“ – die Verkörperung der „deutschen Philosophie vom Null-Defizit“.

Welteke war ein populärer Bundesbankpräsident. Die 15 000 Mitarbeiter hielten auch dann noch zu ihm als längst klar war, dass er nicht mehr zu halten ist. Stark dagegen gilt in der Notenbank als „harter Hund“, als verbissener, kompromissloser Verhandler, aber eben auch mit jeder Menge Sachverstand.

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