Bundesliga
Die mühselige Suche nach Plan B

DFL-Chef Christian Seifert muss eine neue Lösung für die Vermarktung der Bundesliga-Rechte finden. Doch ihm läuft die Zeit davon.
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DÜSSELDORF. Er ist so etwas wie der Vorzeige-Manager des deutschen Profi-Fußballs: Christian Seifert kleidet sich stets elegant, weiß mit Worten umzugehen und ist als ehemaliger Vorstandschef der Arcandor-Tochter Karstadt New Media mit Erfahrung in der freien Wirtschaft ausgestattet. All das sind Attribute, die den Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aus der Masse der von Funktionären und Ex-Kickern dominierten Branche durchaus hervorheben. Und Seifert will sie nutzen, um den Wirtschaftsbetrieb Bundesliga im internationalen Vergleich voranzubringen, den Abstand zu anderen Ligen wie der englischen Premier League zu verkürzen.

In diesen Tagen ist von dem 39-jährigen Kommunikationswissenschaftler allerdings auffällig wenig zu hören. Er hat momentan auch nicht viel Grund, öffentlich zu tönen: Bei der Vermarktung der TV-Rechte der Bundesliga droht ein bisher noch nie da gewesenes Fiasko. Der drei Milliarden Euro schwere Deal mit dem Medienunternehmer Leo Kirch und seinem Adlatus Dieter Hahn steht vor dem Aus. Mit dem Veto des Bundeskartellamts fehlt der Allianz aus DFL und Kirch schlicht die Geschäftsgrundlage.

Ab der Saison 2009/2010 wollte Kirch den Profiklubs der Ersten und Zweiten Liga jährlich eine halbe Milliarde Euro bezahlen, sechs lange Jahre sollte der einmalige Vertrag laufen. Bislang erhielten die Vereine der DFL pro Spielzeit nur 420 Millionen Euro.

Doch Seifert, der einst als junger Manager bei Kirch und später beim Videoclipsender MTV das Handwerkszeug des Medienmanagers erlernte, hat sich im Ringen mit den Wettbewerbshütern verheddert. Die Beamten des Bundeskartellamts haben sich indirekt für den Erhalt der ARD -"Sportschau" am frühen Samstagabend starkgemacht. Sie bestehen darauf, dass eine Zusammenfassung der Spiele vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen ist. Damit ist der Plan "mehr Exklusivität, mehr Geld" von Kirch und DFL gescheitert.

Seifert läuft nun die Zeit davon. Denn eigentlich ist die Ausschreibung der Fernsehrechte längst überfällig. Die Vereine werden angesichts der unübersichtlichen Lage allmählich nervös. Schließlich erwirtschaften sie 75 Prozent ihres Umsatzes durch den Verkauf der Rechte.

Der Druck auf Seifert wird nun täglich größer. Zuletzt forderte der Bezahlsender Premiere eine schnelle Lösung des Streits: "Ich halte die Unsicherheit nicht gerade für wertsteigernd", sagte Vorstandschef Michael Börnicke an Seiferts Adresse. "Der deutsche Fußball sollte ein Interesse haben, das Thema schnell abzuschließen", sagte der wichtigste Finanzier der Liga.

Zudem hat sich Seifert mit seiner Brigade von Anwälten im Kartellamt viele Feinde gemacht. Nachdem Ende Juli die Wettbewerbsbehörde das Geschäft mit Kirch blockierte, hat der sportliche DFL-Chef die Beamten mit seinen Äußerungen und dem Drohen mit juristischen Schritten provoziert. An Kartellamtschef Bernhard Heitzer perlten Seiferts Angriffe ab. "Die DFL ist schon professionell genug, mit unserer Einschätzung umzugehen", sagte der erfahrene Behördenchef kürzlich. "Es ist nicht unsere Aufgabe, ein neues Vermarktungsmodell zu entwickeln."

Noch gibt sich der Badener Seifert nach außen hin gelassen. Schließlich seien beim letzten Mal die Rechte auch erst drei Tagen vor Weihnachten vergeben worden, heißt es bei der DFL. Wie Seifert es aber schaffen will, die "Empfehlungen" der Kartellwächter umzusetzen und dennoch den Vereinen mehr Geld zu bescheren, steht in den Sternen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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