Burani
Giovanni Burani: extrem und bodenständig

Giovanni Burani galt als Finanzgenie. Doch nun hat auch ihn die Krise erwischt. Den Chefposten beim Modehaus Mariella Burani gibt er auf.

MAILAND. Geahnt hat er es wohl schon länger: "Diese Krise ist schlimmer als die vergangenen", sagt Giovanni Burani im Januar. Als Vorstandschef des Modehauses Mariella Burani Fashion Group sitzt er an einem runden Tisch zum Thema Familienunternehmen. Und er lässt die anderen Teilnehmer schon aufgrund seiner imposanten physischen Präsenz kleiner erscheinen. Dieser Mann, der schon mehrere Ironman-Extrem-Wettkämpfe absolviert hat, gesteht Schwächen ein und erklärt, dass alles schlimmer gekommen sei, als er noch ein Jahr zuvor dachte. Wie im Frühjahr 2008, als er erwog, die Dollarschwäche für Zukäufe zu nutzen.

Doch mit Zukäufen ist es bei der Modegruppe, zu deren Marken René Lezard und Mandarina Duck gehören und die im vergangenen Jahr 700 Millionen Euro umsetzte, vorbei. Nach Jahren der Expansion drückt sie ein Schuldenberg von 400 Millionen Euro.

Im Juli hat Giovanni Burani einen Aufschub der Banken ausgehandelt. Vergangenen Donnerstag beschloss das Management eine Kapitalerhöhung von über 100 Millionen Euro, an der angeblich asiatische Investoren interessiert sind.

Giovanni Burani selbst zieht sich auf die Ebene der Familien-Holding, der "Burani Designer Holding", zurück, wo er Präsident und Vorstandschef wird. Den Chefposten der Modegruppe überlässt er ab September Gabriele Fontanesi.

Das Unternehmen begründet den Einzug des externen Managers mit dem "Ziel, die Unabhängigkeit des Verwaltungsrats im Zuge der Restrukturierung der Schulden zu stärken". Für Giovanni Burani bedeutet das einen Schritt zurück in der operativen Führung des elterlichen Unternehmens, für dessen Expansion er maßgeblich verantwortlich war. Seine Eltern - die noch heute aktive Designerin Mariella Burani und ihr Mann Walter - haben die Firma 1960 in Reggio Emilia gegründet und sich lange gerühmt, "die Bauern der Mode" zu sein. Ihr Sohn machte aus dem Bauernhaus ein modernes kleines Luxuskonglomerat.

Ein Mann der Extreme, nicht nur im Sport. Er war es, der das Unternehmen im Börsenboom des Jahres 2000 am Kapitalmarkt platzierte und später weitere Töchter der Gruppe. Er war es auch, der in den Jahren des einfachen Geldes und der Firmenkäufe auf Pump - "Leverage" hieß das Zauberwort - eifrig Marken hinzukaufte.

Nach Ansicht von Beobachtern machte er alles richtig: Noch im vergangenen November gewann er den Ernst & Young-Preis in der Kategorie "Finance". Er habe unter anderem "den finanziellen Leverage strategisch und raffiniert genutzt, um die Gruppe im internationalen Panorama des bezahlbaren Luxus zu positionieren", teilte die Unternehmensberatung mit.

Doch jetzt rächt sich der Einsatz von Fremdkapital. Das vergangene Jahr hat das Unternehmen mit einem Verlust von 65 Millionen Euro abgeschlossen. Und am Ende des ersten Quartals 2009 stand ein Minus von 1,7 Millionen Euro.

Giovanni Burani, der nichts von dem Diven-Gehabe vieler Branchenkollegen hat, setzt mit seinen Marken auf den bezahlbaren Luxus und spielt damit ähnlich wie Hugo Boss eine Ebene unterhalb von Namen wie Versace und Armani. Geografisch konzentriert sich der Deutschland-Fan auf Europa, Russland und den Nahen Osten. Als die Finanzkrise die Vereinigten Staaten schon fest im Griff hatte, konnte er noch gelassen zuschauen - bis die Krise auch Russland erfasste, wo er ein Fünftel des Umsatzes erwirtschaftete.

"Giovanni Burani hat sich von den Finanzspielereien verführen lassen. In den vergangenen Jahren ging es ihm immer weniger ums Produkt und fast nur noch um die Zahlen", sagt ein Beobachter. "Er hat das Spiel mitgespielt, aber er ist kein Zocker", sagt der Beobachter, der Burani als "bodenständig und zuverlässig" beschreibt: ein Mann, der sich am Sonntag mit den Kumpels aus Schulzeiten zum Radfahren trifft, der seine Frau im Schwimmbad kennen gelernt und für Golfspieler nur ein Lächeln übrig hat. "Ein Manager mit einer unglaublichen Energie, der es schafft, andere damit anzustecken."

In seiner neuen Position als Chef der Holding wird er das Geschehen der Modegruppe mit etwas mehr Distanz verfolgen.

Giovanni Burani

1964 Er wird als Sohn der Gründer Mariella Burani und Walter Burani geboren.

1988 Giovanni Burani schließt sein Wirtschaftsstudium an der Universität in Parma ab.

1989 Der Junior steigt beim Familienunternehmen Mariella Burani ein.

2000 Giovanni Burani bringt das Modeunternehmen an die Börse und baut es mit dem Erlös zu einer Gruppe mit vielen eigenen Marken und der Lizenzproduktion für andere Modehäuser aus.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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