Burckhard Bergmann
Ruhrgas-Chef: Der sture Diplomat

Der mittelgroße, drahtige Mann hat in seiner Karriere schon mit den schwierigsten Gesprächspartnern die schwierigsten Verträge ausgehandelt. Schon in jungen Jahren reist der promovierte Physiker für seinen Arbeitgeber nach Iran, später sichert er dem deutschen Markt langfristige Lieferungen aus Norwegen und Russland. Heute sitzt er als einziger Ausländer im Aufsichtsrat des russischen Gasriesen Gazprom.

In der europäischen Gasbranche gilt Bergmann als der einflussreichste Manager schlechthin. Sein Verhandlungsgeschick wird auch von seinen größten Konkurrenten in höchsten Tönen gelobt.

Aber zurzeit gibt sich Bergmann höchst undiplomatisch. Erbittert streitet der passionierte Jäger mit dem Präsidenten des Bundeskartellamts, Ulf Böge, um die Öffnung des Gasmarktes. „Wir weisen marktfremde Einschränkungen des Kartellamts zurück“, tönt er da.

Böge hat eine empfindliche Stelle im Machtgefüge des Marktführers ausgemacht: die langfristigen Lieferverträge, mit denen große Ferngasgesellschaften wie Eon Ruhrgas ihre Hauptkunden, die Kommunalversorger, an sich gebunden haben.

Über viele Jahre hinweg haben sich die Platzhirsche so einen Großteil des Gasbedarfs von Stadtwerken und Regionalversorgern gesichert und neue Anbieter aus dem Markt gehalten. Nun will Böge die Laufzeiten von neuen und alten Verträgen stark verkürzen, um für mehr Wettbewerb zu sorgen. Setzt er sich durch, muss vor allem Eon Ruhrgas um Marktanteile fürchten.

Monatelang suchten die beiden Parteien nach einem Kompromiss, der zwar die Laufzeiten von neuen Verträgen rasch beschränken, bei alten Verträge aber einen sanften Übergang erlauben sollte. Tatsächlich sah es so aus, als könnten sich Böge, Bergmann und die Chefs anderer Gasgesellschaften zusammenraufen. Doch nach stundenlangen Gesprächen scheiterte die Einigung vor zweieinhalb Wochen in letzter Minute. An der fehlenden Kompromissbereitschaft Böges, heißt es bei Eon Ruhrgas. An Bergmanns hartnäckiger Haltung, hält dieser dagegen.

Seither sind die Fronten endgültig geklärt. Eon Ruhrgas ist in der Branche isoliert. Kartellamtschef Böge und Bergmann liefern sich über Konferenzen und Presseerklärungen ein Fernduell, bei dem Bergmann weiter behauptet: „Es gibt reichlich Freiraum für Wettbewerber.“ Beide Parteien werden sich in wenigen Monaten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf treffen.

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