Burkhard Schuchmann
Von der Weiche zum Wein

Mit der Weichen und Dieselloks verdiente Burkhard Schuchmann lange sein Geld. Dann ging der langjährige Vorstandschef des Bahntechnik-Herstellers Vossloh in den Kaukasu um Winzer zu werden. Jetzt kehrt der 67-Jährige zurück, um mit seinen Weinen die deutsche Gastronomiebranche zu überzeugen.

DÜSSELDORF. Schienenbefestigungen, Weichen, Dieselloks – das war lange das Metier von Burkhard Schuchmann. Die Bahntechnik-Messe Innotrans in Berlin war der Platz seiner Auftritte. Jetzt geht der langjährige Vorstandschef des Bahntechnik-Nischenanbieters Vossloh auf eine ganz andere Messe. Der klein gewachsene, agile 67-Jährige mit dem in Ehren ergrauten Bart ist Aussteller auf der am Sonntag beginnenden Düsseldorfer Fachmesse „ProWein“.

Schuchmanns Produkte haben so exotische Namen wie SapEravi, Rkatsiteli, Ojaleshi und Kisi. Sie stammen aus einem Land, das eine über tausendjährige Weinbautradition für sich in Anspruch nimmt – und doch in Deutschland selbst Kennern kaum als Rebensaft-Produzent bekannt ist: die ehemalige Sowjetrepublik Georgien. Als er nach heftigen Auseinandersetzungen mit seinem Aufsichtsratschef Kajo Neukirchen bei dem im MDax notierten Mittelständler Vossloh Ende 2005 die Brocken hinwarf, hatte er es im kleinen Kreis schon angedeutet: Wein anbauen, ja, das wäre noch ein neuer Job fürs Alter. Doch statt Weinbau kamen internationale Aufsichtsratsmandate in der Bahnindustrie. Sein Ziel verlor Schuchmann aber nicht aus den Augen. Er sondierte die vinologischen Möglichkeiten in Argentinien wie in Südafrika, dann setzte ihm ein in Deutschland arbeitender Georgier den Floh ins Ohr: Weinanbau in der so fern erscheinenden Kaukasus-Region.

Nach einigen Sondierungen war der Rest fast schon unternehmerische Routine: Schuchmann kaufte gut hundert Hektar Rebenäcker und gleich ein kleines Weingut mit dazu. Zum Investment gehört moderne Produktionstechnik wie etwa Edelstahltanks und Abfüllanlagen. Schuchmann kam als Retter in der Not: Jahrzehntelang hatten die Georgier mit dem Sowjetreich einen Riesen-Absatzmarkt, den sie mit preiswerten Massenprodukten bedienten. Doch dann kam der Krieg zwischen Russland und Georgien, die Grenzen wurden dicht, den Produzenten drohte das Aus.

Die neue Firma Schuchmann Wines verabschiedet sich von der Großproduktion. Klein, aber fein, ist die Devise: „Wir wollen georgische Weine Kennern in Westeuropa erschließen“, sagt der Chef, der sowohl seinen Statthalter am Produktionsstandort, zwei Autostunden von Tiflis entfernt, an seiner neuen Firma beteiligt wie auch die Geschäftsführerin in Deutschland. Klar, neugierige Weinfreunde zahlen gerne etwas mehr, und so hat der Neu-Winzer sich eine Preisspanne für Endverbraucher zwischen 12 und 30 Euro gesetzt. Zudem strebt er an, die Weinkeller der hochwertigen Gastronomie zu erobern.

Das langsam wachsende Sortiment hat zwei Schwerpunkte. Einerseits versucht Schuchmann, klassische Weine im sonnenverwöhnten Kaukasus zu produzieren, andererseits will er die lange gepflegten Eigengewächse erhalten, denn die sind, so sagt er, die „eigentlich spannenden Rebsorten“. Die reifen fern von den Manipulationsmöglichkeiten moderner Weinbautechnik – in mannsgroßen, in den Boden eingegrabenen tönernen Amphoren, einfach ihrem Schicksal überlassen. Und abgefüllt werden sie als Edelmarke „Vinoterra“, so heißt die Schuchmann’sche Produktionsstätte.

In Georgien könne man viel bewirken, sagt der Nicht-Ruheständler, solange man sich um alles selbst kümmert. Geld hineinzubringen ins Land sei genauso gut möglich, wie es wieder herauszuholen. Fünf Millionen investierte der Neu-Winzer, und er ist sich nach der ersten Ernte – zwei Drittel rot, ein Drittel weiß – von 230 000 Litern sicher: „Gut, dass ich das Geld im letzten Jahr nicht bei meiner Hausbank gelassen habe: Die bessere Anlage war Georgien.“

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