Business Behaviour
„Beleidigung für die Intelligenz“

Jeder Mensch lügt – mehrmals täglich. Oft, um andere nicht zu verletzen oder des Betriebsfriedens willen. Aber was ist, wenn die Lügen offensichtlich und ruckzuck enttarnbar sind? Manche lohnt es nicht, auffliegen zu lassen, weil es nur Zeit kostet und den anderen beschämen würde. Doch manche Lügen sind respektlose Frechheiten.

„Das ist eine Beleidigung für meine Intelligenz“ schnaubte kürzlich ein Freund, ein Angestellter eines Großunternehmens, vor Wut. Er meinte damit den Vortrag des Top-Managers, der der Belegschaft die offensichtlichen Missstände schönreden wollte. Die Strategie hatte jeder im Publikum erkannt: lieber nichts-sehen-nichts-hören-nichts-sagen wie die drei berühmten Äffchen – statt öffentlich Farbe zu bekennen? Und womöglich Fehler zuzugeben. Geschenkt, das ist mangelnde Souveränität. Gegenwehr zwecklos und wenn die Lüge Programm ist, sollte man sich lieber nach einem besserem Arbeitgeber umsehen.

Doch oft belügt auch ein Kollege den anderen oder ein Vorgesetzter seinen Mitarbeiter. Jeder lügt mehrmals täglich, sagen Psychologen. Weil jeder Beteiligte sie glasklar erkennt – und der Belogene nur die Wahl hat zwischen der Faust in der Tasche oder Eklat.

Es kommt darauf an, ob Dritte da sind. Dann wird Nachfragen peinlich. Anders unter vier Augen, da heißt die Gegenstrategie: konkret Festnageln. „Welche Beispiele können Sie mir dazu nennen?“, „Welcher Kunde hat diese Beurteilung abgegeben?“ „Bitte geben Sie mir Beispiele für mein Fehlverhalten!“, „Ich kann Ihren Aussagen nicht folgen, da ich die Zusammenhänge ganz anders erlebt habe.“ oder „Ihre Aussage kann ich nicht zuordnen, geben Sie mir bitte einige Fakten!“ Schwieriger wird’s, wenn kein Nachfragen möglich ist. Weil die Lüge eindeutig eine Ausrede und schon die Antwort war. Lassen Sie Konfrontationen wie „Sie wissen doch, dass das nicht stimmt.“ Effektiver: Für einige Sekunden demonstrativ schweigen und dann nur fragen: „Wie meinen Sie das genau?“ Dasselbe hilft auch bei solch absurden Situationen: Sie kritisieren die Arbeit von jemanden. Doch der Adressat, nimmt das nicht wahr, verteidigt die Kritisierte: „Also ich kenne Frau Meier als nette Kollegin.“ Dabei hatten Sie das gar nicht bezweifelt – und sind schon in der Defensive. Warten Sie erst ab und sagen dann, ohne Blickkontakt: „Können wir zur Lösung des Problems zurückkommen?“ Professionelles Schweigen heißt das – und das glättet die Wogen schnell.

Nach dreieinhalb Jahren wird die Kolumne beendet. Ich möchte mich bei meinen Lesern bedanken. Ihre Gabriele Schlegel

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