Business-Wissen
Globalisierung 3.0

Wer Geschäftsprozesse ins Ausland verlagert, muss künftig nicht nur die Produktsicherheit und das Management vor Ort im Griff haben, sondern besser auf eine schwankende Nachfrage reagieren können, zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung PRTM.

Was sind die globalen Trends in den kommenden zwei Jahren, wenn es um die Verlagerung von Geschäftsprozessen geht? Stehen zum Beispiel chinesische Manager dabei vor anderen Problemen als ihre deutschen Kollegen? Spielt das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle bei den Managern, die sich um die Wertschöpfungskette, supply chain genannt, in ihren Unternehmen kümmern?

Die Unternehmensberatung PRTM hat weltweit mehr als 300 Unternehmen zu ihren Globalisierungsplänen befragt. Was bislang vor allem in Vorstandspapieren stand, scheint nun bei den ausführenden Abteilungen anzukommen Der wichtigste Trend: Bislang haben die befragten Firmen aus der Automobil-, Telekom- und Konsumgüterindustrie sowie aus dem Maschinenbau bereits 42 Prozent ihrer Fertigungskapazitäten und 38 Prozent ihrer Endmontage verlagert. Bis 2010 werden diese Anteile weiter steigen, auf 51 Prozent und 47 Prozent. Und: Was bislang als großer Trend bereits in den Strategieabteilungen der Unternehmen geplant ist, nämlich die Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ins Ausland, kommt nun auch bei den Supply-Chain-Managern an. Sie wollen künftig mehr Produkte im Ausland entwickeln lassen.

Die befragten Manager treibt vor allem ein Thema um: Wie können sie bei zunehmender Verlagerung weiterhin flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren. Das ist vor allem ein Thema für die Automobilzulieferindustrie, erklärt Reinhard Geissbauer, Geschäftsführer und Experte für das Thema bei PRTM. „Die Anforderungen der Hersteller sind enorm und deshalb müssen die Zulieferer im wahrsten Sinne des Wortes mitziehen.“ Dabei spielen nach Ansicht Geissbauers nicht nur die Kosten eine große Rolle, sondern auch die Nähe zu den lokalen Märkten.

Daher ist die Globalisierung keine Einbahnstraße, zeigt die Umfrage. Zwar investieren die allermeisten Unternehmen vor allem in China. Aber die wichtige Nähe zu den lokalen Märkten zwingt auch die Amerikaner und Asiaten zu Investitionen in Europa. (Eine Grafik, die die Ströme abbildet, finden Sie im Netz, Adresse, siehe unten)

Die offene Frage: Werden die Chinesen deshalb jetzt verstärkt in Westeuropa investieren. „Nein“, sagt Geissbauer. „Sie fertigen wegen der Kostenvorteile eher in Osteuropa – das ist nah genug am westeuropäischen Markt“. Beim Thema Nachhaltigkeit sind die befragten Manager deutlich zurückhaltender. „Eine grüne Lieferkette steht normalerweise noch nicht oben auf der Agenda“, sagt Geissbauer. Viele Unternehmen kümmern sich nur eingeschränkt um Umwelt- und Klimaschutz oder darum, ob alle ihre Produkte ausschließlich in ethisch einwandfreiem Umfeld gefertigt werden. „Die Manager erkennen das Thema noch nicht als eigenständigen Wert.“ Nur wenn Kunden oder Politik es deutlich einfordern, werden die Unternehmen aktiv.

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