Byron Wien
Der Hellseher aus Chicago

Byron Wien mischt künftig beim Finanzinvestor Blackstone mit. Die Prognosen des 76-Jährigen über die Finanzmärkte sind weltbekannt, auch für 2009 lag er wieder einmal richtig. Derzeit sagt er eine glänzende Zukunft für China voraus.

FRANKFURT. Ein rollender Stein, so sagt man in China, setzt kein Moos an. Ob Byron Wien an fernöstliche Weisheiten gedacht hat, als er vor kurzem beim Finanzinvestor Blackstone anheuerte, ist nicht überliefert. Dennoch liegt der Verdacht nahe, dass der mittlerweile 76 Jahre alte Finanzmarktexperte ohne Arbeit so recht nicht sein kann. Allein am Geld dürfte es jedenfalls nicht gelegen haben.

Bei Blackstone wird Wien künftig den wohlklingenden Titel "Vize-Vorsitzender der Beratungssparte" tragen. Seine langjährige Erfahrung sei unbezahlbar, ließ Blackstone-Boss Stephen Schwarzman verlauten. Gerade in Krisenzeiten.

Krisen hat Wien viele erlebt. An der Börse, aber auch privat. Er ist gerade einmal neun Jahre alt, als sein Vater stirbt; nur fünf Jahre später wird auch Mutter Wien zu Grabe getragen. Der junge Byron wächst zusammen mit seinem Bruder bei Verwandten auf. Sein erstes Geld verdient er sich als Laufbursche bei der Pabst Brewing Company. Von den hart verdienten Dollar kauft Wien seine ersten Aktien. Die Karriere an der New Yorker Wall Street beginnt.

Wien wird in den kommenden Jahrzehnten für die renommiertesten Adressen in New York arbeiten. Allein 20 Jahre ist er Investmentstratege bei Morgan Stanley. Vor seinem Blackstone-Engagement ist er für den Hedge-Fonds Pequot Capital tätig.

Weltweit bekannt sind Wiens "Ten Surprises" - zehn Überraschungen - der Finanzmärkte. Zu Beginn eines jeden Jahres holt der gebürtige Chicagoer die Glaskugel heraus und sagt, was in den kommenden zwölf Monaten an den Finanzmärkten so passieren wird. Seit mittlerweile 24 Jahren tut er das. Dazu passt, dass Wien auch aussieht wie ein Seher: hagere Statur, wache Augen, dazu der messerscharfe Verstand. Zöge er eine Brille auf, ginge er als etwas jüngerer Bruder des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan durch.

Zu Beginn dieses Jahres sah Wien viel Gutes in seiner Glaskugel: Die Aktienmärkte etwa würden sich rasch erholen, sprach er im Januar; für den S&P-500-Index prognostizierte der Seher aus Chicago einen Stand von 1 200 Punkten am Jahresende. Viele seiner Kollegen lächelten damals mitleidig - die Hirngespinste eines alten Mannes. Tatsächlich könnte der 76-Jährige recht behalten. Gestern notierte der S&P bei rund 1 000 Punkten.

China, dem Land der weisen Sprüche, sagte Wien im Januar eine goldene Zukunft voraus. Die Wirtschaft dort werde schneller wachsen, als das viele inmitten der Krise für möglich hielten. Den Ölpreis sah er zum Jahresende bei 80 Dollar je Barrel. Mehr als die Hälfte von Wiens Prognosen sind In der Vergangenheit eingetreten.

Seine Fans warten schon auf die "Ten Surprises" für 2010. Moos wird Wien bis dahin bestimmt nicht ansetzen.

Kurzvita

1933: Am 14. Februar, dem Valentinstag, erblickt Byron Wien in Chicago das Licht der Welt.

1985: Wien bekommt eine Anstellung bei der weltweit bekannten Investmentbank Morgan Stanley. Dort steigt er zum Chef-Aktienstrategen auf. 1985 veröffentlicht er erstmals seine „Ten Surprises“, auf die in den folgenden Jahren Investoren aus aller Welt schauen werden.

2005: Wien wechselt zu Pequot Capital. Vier Jahre später gibt der Hedge-Fonds auf. Dem Management wird vorgeworfen, Insiderinformationen für sich genutzt zu haben.

2009: Seit Mitte August steht Wien im Dienste des Finanzinvestors Blackstone.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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