Cadbury-Chef Stitzer
Den einen zu deutsch, den anderen zu amerikanisch

Todd Stitzer hat Cadbury erfolgreich umgebaut. Die Briten begegnen ihm dennoch mit Misstrauen – jetzt im Übernahmekampf gegen Kraft stärker denn je. Alles fing mit einer Dose Dr. Pepper an.
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LONDON. Er hat einen Fehler gemacht – einen großen Fehler: Als Todd Stitzer kurz nach seinem Antritt als Chef des britischen Traditionsunternehmens Cadbury eines seiner Produkte in der Öffentlichkeit probieren soll, sucht er sich eine Dose Dr. Pepper aus. Er entscheidet sich für die amerikanische Limo, die Cadbury erst wenige Jahre zuvor gekauft hat.

Bis heute halten britische Zeitungen Stitzer diesen aus ihrer Sicht üblen Schnitzer vor und werfen ihm auch in anderen Fällen Verrat an den Cadbury-Werten vor.

Misstrauen zum Start

Seit sechs Jahren steht Stitzer an der Spitze von Cadbury. Die Produkte des Unternehmens sind Teil der nationalen Identität der Briten, so ähnlich wie Clarks-Schuhe und Kleidung von Marks & Spencer. Und ausgerechnet Stitzer führt ein solches Unternehmen – er, der gar keines der Kriterien erfüllt, die lange für den obersten Mann im Cadbury-Schokoladenreich galten:

Stitzer ist kein Brite, er ist Amerikaner. Er ist kein Nachfahre des Firmengründers, er trägt nicht den Ehrentitel „Sir“, und er hat auch nicht die Kaderschmiede Eton besucht.

Gerade am Anfang begegnen ihm die britischen Mitarbeiter, Branchenexperten und Kunden mit Misstrauen – einem Misstrauen, das jetzt erneut aufflammt, seitdem der US-Nahrungsmittelriese Kraft um Cadbury buhlt. Am Montag startete Kraft eine feindliche Übernahme. Jetzt ist es an Stitzer, sich dagegenzustemmen, damit eine britische Marke von Weltrang weiterhin britisch bleibt, oder in Verhandlungen das Beste herauszuholen.

Bislang hat der 57-Jährige nicht viel unternommen, um die Skepsis einzudämmen – im Gegenteil. Er verstrickt sich in Widersprüche. Er könne sich vorstellen, dass ein Zusammengehen mit Kraft sinnvoll sei, soll er gesagt haben. Später korrigiert er sich. Er sei missverstanden worden und sei weiterhin der Meinung, eine solche Fusion sei nicht sinnvoll.

Stitzer missverstanden? Alles ein Versehen? Das können sich Analysten und Anleger schwerlich vorstellen. Schließlich ist der Mann Rechtsanwalt. Nach seinem Studium in Harvard hat er fünf Jahre bei einer Kanzlei gearbeitet, die sich auf Fusionen spezialisierte. Dass ein solcher Mann etwas sagt, ohne dass ihm die Folgen bewusst sind, gilt als sehr unwahrscheinlich. Beobachter mutmaßen, da stecke wohl eher Strategie dahinter, aber welche?

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  • Guten Tag,.......Wie oft haben wir schon gesehen dass Straueben, Schreien, und dergleichen wenig nuetzen wenn ein Riese nach einem greift. ich gehe jede Wette ein dass Kraft diese Snobs frisst. Fragt sich nur zu welchem Preis. Jeder der dies liest kaufe sich " Kraft " Aktien. Diese Aktie ist eine der wenigen die gewaltig aufholen koennen. Also ran an die buletten. ( im wahsten Sinne des Wortes. ) Dieser Rat ist ( ausnahmsweise ) gratis. besten Dank

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