Campari-Chef Bob Kunze-Concewitz
Über Schwärmereien und feuerrote Leidenschaft

Der neue Campari-Chef Bob Kunze-Concewitz will die Expansionsstrategie seines Vorgängers fortführen - vor allem im Ausland.

MAILAND. Ein alter Palazzo in Mailand, gedämpftes Licht, roter Samt - in der Mitte steht Bob Kunze-Concewitz und schwärmt vom Hollywood-Star Salma Hayek. An jenem Abend im vergangenen Herbst stellt der italienische Spirituosenhersteller Campari seinen neuen Kalender vor: zwölf Monate die erotische Salma Hayek mit dem feuerroten Klassiker als ständigen Begleiter. Welcher Mann würde da nicht ins Schwärmen geraten. Mit ihrem "raffinierten, kosmopolitischen Stil" passe Salma bestens zur Identität von Campari, fabuliert Kunze-Concewitz und outet sich eindeutig als Marketing-Mensch durch und durch.

Damals war der Mann mit der markanten Brille noch Marketing-Chef des Mailänder Unternehmens. Heute ist der mittlerweile 40-Jährige zum neuen Campari-Chef aufgestiegen und bringt selbst einen kosmopolitischen Stil in das international expandierende Unternehmen ein.

Kunze-Concewitz ersetzt Enzo Visone, 51, der diesen Monat überraschend zurückgetreten ist. Wohin Visone wechselt, ist bisher nicht bekannt. Mit seinem Nachfolger dürfte er allerdings hoch zufrieden sein. Visone selbst hatte den in Istanbul geborenen und aufgewachsenen Manager mit österreichischem Pass zum Marketingchef gemacht. Vielleicht auch deshalb, weil der neue Campari-Chef - natürlich rein bildlich gesprochen - Spirituosen im Blut hat: So hatte sein Großvater den ersten exklusiven Vertrieb von Cinzano in Istanbul. Eine Marke, die heute zum Campari-Imperium gehört. So viel historisches Bewusstsein passt eben bestens zum italienischen Traditionskonzern.

Expansionsstrategie wird fortgeführt

Der neue Campari-Chef will die Expansionsstrategie seines Vorgängers fortführen. Der Konzern hat den Umsatz in den vergangenen zehn Jahren auf 932 Mill. Euro verdreifacht und wird dieses Jahr voraussichtlich die Ein-Milliarden-Grenze überschreiten. Außer Campari und Cinzano gehören auch Marken wie Skyy Vodka und 12 Ouzo zum Portfolio des Mailänder Traditionsunternehmens.

"Wir verfolgen zwei Richtungen: internes Wachstum und Zukäufe", sagte er der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore". Vor allem im Ausland, das schon heute mehr als die Hälfte der Umsätze ausmacht, will er wachsen. Das Unternehmen hat dafür 600 Millionen Euro in der Kasse.

Kunze-Concewitz, den Mitarbeiter als jovial beschreiben, "einer, der auch die Sekretärin fragt, wie es ihr geht", bringt für die geplante Expansion vor allem internationale Erfahrung mit. Nach der französischen Schule hat er am Hamilton College in den USA studiert und einen Master an der Manchester Business School draufgesetzt. Bevor er vor zwei Jahren zu Campari stieß, hat er bei dem Konsumgüterkonzern und der Marketing-Kaderschmiede Procter & Gamble verschiedene Positionen in mehreren Ländern besetzt. Zuletzt stieg er dort zum Chef der Global Prestige Products des US-Unternehmens auf, wo er für Luxusprodukte wie Parfüms von Hugo Boss und Lacoste verantwortlich war.

Als Marketing-Chef von Campari hat Kunze-Concewitz neben Visone die wichtigste Position des Unternehmens innegehabt. Immerhin gibt das Unternehmen jährlich mindestens 18 Prozent des Umsatzes für Werbung aus. Zum Vergleich: Bei kaum einmal zehn Prozent liegt das Marketingbudget vieler bekannter Kleidungsunternehmen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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