Cangorino-Chef Willy Steffen Iser
Der Schuh-Macher

"Klassische Schuhgrößen wie 24 sind nicht nachvollziehbar und drücken letztlich nichts aus, weil es zwischen den Herstellern große Abweichungen gibt. Die Folge sind oft zu kleine Schuhe, die zu irreparablen Fußschäden führen können", sagt Iser.

Er ist einer, der es einfach und geradeaus mag, dem komplexe Lösungen suspekt vorkommen, der in jeder Lebenslage fragt, ob das denn jetzt so sein muss. Also hat er ein eigenes Maßsystem entwickelt, bei dem schlicht der Fuß gemessen und dieser Wert mit der Innenlänge des Schuhs abgeglichen wird, wobei für die richtige Größe noch zwölf bis 17 Millimeter Zuwachsraum addiert werden. Denn was zählt, ist allein die Innenlänge des Schuhs, der etwas Luft haben muss. An den Sohlen seiner Schuhe pappt folglich keine abstrakte Zahl, sondern die exakte Größe in Millimetern. In den Augen traditioneller Händler ist das verwirrend, was Iser nicht verwundert: "Vor lauter Existenzangst finden sie nicht den Mut, Dinge zu ändern, und hoffen, in einer gewissen Blindheit ihr Heil zu finden." Ein Irrtum, wie die nicht enden wollenden Pleiten zeigen.

Der mit seinen 40 Jahren jungenhaft wirkende Iser mit seinem gewinnenden Lachen hat für Wehklagen, Mutlosigkeit und Beharrungskräfte jeglicher Art nicht viel übrig. Man könnte auch sagen: So was bringt ihn auf die Palme. Er zögert nicht lange, seine herausragende Stärke zu benennen: "Ich stelle geltende Spielregeln infrage und suche nach neuen Antworten. Auch privat." Das klingt ein bisschen wie eine Drohung, jedenfalls unbequem. Doch der Typ Querulant ist Iser mitnichten. Er ist auch nicht einer aus der Abteilung großspuriger Besserwisser. Er macht sein Ding, denkt viel, ist beharrlich und pflegt eine joviale Art.

Und er hat unerschütterliche Überzeugungen. Etwa, dass Cangorino kein Lebensabschnitts-Spleen ist, sondern ein Geschäft mit Zukunft. Nicht der leiseste Zweifel scheint an ihm zu nagen - dabei haben seine Eltern, Textilfabrikanten in Aschaffenburg, immer vor dem Schritt gewarnt. Sie waren skeptisch, und sie sind es noch. Wie kann der Junge nur seine sichere und lukrative Stelle bei der renommierten Personalberatungsfirma aufgeben? Als Berater wäre er heute längst Partner und hätte ein stattliches Gehalt - Monat für Monat.

Das kann natürlich ein starker Antrieb sein. Nicht aber für Iser. Spezialisiert auf liberalisierte Märkte wie Energie und Telekommunikation, lief es für ihn als Headhunter bei der Beratungsgesellschaft Ray & Berndtson nicht schlecht. Sein Lebenslauf bis dahin: solide und schlüssig. Iser studiert in Innsbruck Betriebswirtschaftslehre, seine Diplomarbeit dreht sich um strategische Wettbewerbsvorteile für Unternehmen durch moderne IT. Von 1995 bis 1999 arbeitet er als Salesmanager bei British Telecom Deutschland, wechselt dann zu Ray nach Frankfurt, wo er bis 2003 bleibt. Da hatte seine Tochter Violetta schon ihre ersten Schritte getan.

In den letzten Monaten als Headhunter spielte er seine in manchen Augen abstruse Geschäftsidee immer wieder durch, recherchierte, sprach mit großen Filialisten, besuchte Messen und Produktionsstätten in Marokko. Ihm wurde klar: "Ich wollte keine Dienstleistungen mehr anbieten und jede Menge Papier produzieren, sondern etwas mit meinen Händen tun. Ich bin ein Produktionsmensch." Produktionsmensch Iser, der früher seine Ferien nähenderweise im elterlichen Betrieb verbrachte, kaufte erste Leder- und Fellmuster. Das Material fühlte sich gut an, glitt immer wieder durch seine Finger, es machte Lust auf mehr.

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