Carl Icahn greift den Medienriesen Time Warner an
Ein „Räuber“ mit neuen Waffen

Lange bevor SPD-Chef Franz Müntefering aggressive Investoren in Deutschland als „Heuschrecken“ beschimpfte, zitterten US-Vorstände vor den „Raidern“ (Räubern). In den 80er-Jahren fielen sie über angeschlagene amerikanische Großkonzerne her, filetierten sie und verhökerten ihre Einzelteile. Oder sie kauften sich ein, trieben durch ihre Attacken den Aktien-kurs nach oben und stiegen mit hohen Gewinnen aus.

NEW YORK. Einer der gefürchteten Investoren von damals, Carl Icahn, macht derzeit wieder Schlagzeilen. Der inzwischen 69-Jährige hat – ganz im Zuge der neuen Zeit – einen Hedge-Fonds gegründet und greift bei seiner jüngsten Attacke gegen den US-Medienriesen Time Warner zudem auf eine finanzstarke Söldnerschar aus weiteren Fonds zurück.

Aus seinem Büro in Manhattan steuert der Sohn einer Anwaltsfamilie aus dem ruppigen New Yorker Stadtteil Queens heute nicht nur sein Privatvermögen, welches das US-Magazin „Forbes“ mit 7,8 Milliarden Dollar beziffert. Der knochige Mann mit immer noch vollen weißen Haaren beeinflusst zudem über seinen eigenen Hedge-Fonds und befreundete Investoren noch weitere Anlagemilliarden.

Das macht Icahn zu einem ernst zu nehmenden Angreifer, selbst für den weltgrößten Medienkonzern Time Warner mit einem Börsenwert von 83 Milliarden Dollar. Wie US-Medien unter Berufung auf informierte Kreise melden, will Icahn mit seinen Partnern bis zu zehn Prozent an Time Warner erwerben.

Damit würde die Investorengruppe zum stärksten Aktionär des Konzerns aufrücken, zu dem das Filmstudio Warner Brothers, Fernsehsender wie CNN und HBO, der Internetdienst America Online sowie Verlage und Kabelfernsehnetze gehören. Icahns Büro lehnte gegenüber der Agentur Bloomberg eine Stellungnahme ab, ebenso wie Time-Warner-Sprecher Ed Adler.

Seit Wochen fordert Icahn Time-Warner-Chef Richard Parsons öffentlich auf, die profitable Kabelsparte abzustoßen und den Aktienkurs durch Rückkäufe in zweistelliger Milliardenhöhe nach oben zu treiben. „Er versucht, seinen Einfluss auf Time Warner zu erhöhen und drastischere Schritte zu erzwingen“, wertete Analyst Peter Jankovskis vom Geldhaus Oakbrook Investments den jüngsten Angriff.

Time-Warner-Chef Parsons traf sich vor zwei Wochen mit Icahn. Er will aber nur einen Teil des Kabelgeschäfts verkaufen und weniger Aktien zurückkaufen als der „Räuber“ verlangt. Icahns Vorgehen erinnert an frühere Feldzüge. Der von ihm gegründete Hedge-Fonds Jana Partners hält gemeinsam mit den befreundeten Fondsgruppen SAC Capital Advisors und Franklin Mutual Advisors bereits 2,6 Prozent der Time-Warner-Aktien. Deren Wert stieg schon kräftig, auf zuletzt knapp 2,2 Milliarden Dollar, nachdem Icahns Pläne durchsickerten. Damit dürfte sein Investment in jedem Fall einen Gewinn abwerfen – egal, ob er Time Warner seine Vorstellungen aufzwingen kann oder nicht.

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