Carl Icahn setzt sich bei Motorola durch
Amerikas größter Firmenjäger kann’s nicht lassen

Carl Icahn könnte sich ein schönes Leben gönnen. Der Finanzinvestor ist sehr reich. Doch der 72-Jährige attackiert weiter Firmen, aggressiv und hartnäckig, bis er sein Ziel erreicht - wie jetzt beim US-Konzern Motorola, den er zur Aufspaltung zwingt.

PORTLAND. T. Boone Pickens, Sir James Goldsmith, Saul Steinberg: Die meisten Firmenjäger, die in den 80er-Jahren Angst und Schrecken in den Führungsetagen von US-Konzernen verbreitet haben, sind längst abgetaucht.

Aber nicht Carl Icahn. Der inzwischen 72-jährige New Yorker Milliardär macht noch regelmäßig Schlagzeilen mit seinen Feldzügen gegen etablierte Unternehmen. Der Mann mit den buschigen Augenbrauen stellt sich dann gerne vor Anleger, Analysten und Journalisten und wettert gegen Vorstandschefs, die er als "Schwachköpfe" tituliert. Hartnäckig verfolgt er seine Ziele, wie jetzt die von ihm erzwungene Aufspaltung des US-Konzerns Motorola in zwei Firmen. Das ist zwar sein jüngster Coup - aber nicht sein größter.

Geboren wurde er als Carl Celian Icahn im Februar 1936 in Far Rockaway, Queens, einem Bezirk von New York City. Er studiert Philosophie an der renommierten Princeton University in New Jersey und beginnt ein Medizinstudium an der New York University School of Medicine, das er jedoch abbricht, weil ihm das Herumschneiden an Leichen nicht behagt. 1961 beginnt er seine Wall-Street-Karriere als Broker bei Dreyfus & Co. und spezialisiert sich schnell auf Risikoarbitrage. Bereits 1968 gründet er Icahn & Co. und kauft sich mit geborgtem Geld einen Sitz an der New York Stock Exchange. Mit seinen Erfahrungen beginnt für ihn die goldene Zeit Anfang der 80er-Jahre. Die Reagan-Regierung senkt Steuern und eine Schwemme von billigen Krediten bringt die Wirtschaft in Schwung.

Damals gehört Icahn zu denen, mit denen feine Leute nicht Golf spielen. Die Presse nennt ihn Übernahmehai und Greenmailer, ein Spiel mit dem amerikanischen Wort "blackmail", Erpressung. Er und die anderen Übernahmeartisten erkennen damals: Die Aktienkurse der meist konservativ geführten Konzerne sind deutlich niedriger als der wahre Unternehmenswert. Sie kaufen sich deshalb mit kleinen Paketen in große Firmen ein und drohen mit Übernahme. Viele Unternehmen kaufen ihre Aktien zu überhöhten Preisen zurück, einige erfüllen die Forderungen der Firmenjäger nach Reorganisation, nur wenige Konzerne werden tatsächlich übernommen. Aber die Kurse steigen - und die Firmenjäger verkaufen ihre Aktien mit Gewinn.

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