Carly Fiorina
Kalt abserviert

Erst gefeiert, dann gefeuert: Jetzt rechnet Ex-Vorstandschefin Carly Fiorina in ihrer Biografie mit dem IT-Konzern Hewlett-Packard ab. Sie profitiert von der öffentlichen Aufmerksamkeit, die wegen des Spitzelskandals ohnehin auf HP liegt - und empfiehlt sich für neue Aufgaben.

PALO ALTO. Der Aufsichtsrat hatte sie nach Chicago bestellt. Stundenlang ließ er sie im Hotelzimmer warten. Dann endlich durfte Carleton (Carly) Fiorina in einen Konferenzraum kommen. Dort warteten zwei Ratsmitglieder auf sie, auch die damalige Vorsitzende Patricia Dunn. In nur drei Minuten wurde Fiorina abserviert, ohne Erklärung, Diskussion oder Dank. „Am Ende hatte der Board nicht den Mut, mir gegenüberzutreten“, schreibt Fiorina in ihrer gerade veröffentlichten Autobiografie „Tough Choices“ über ihren tiefen Sturz als Chefin von Hewlett-Packard (HP) im Februar vergangenen Jahres.

Das Buch, das bei der Penguin Group erschien, hätte sie kaum zu einem besseren Zeitpunkt platzieren können. Der Spitzelskandal beim US-Technologiekonzern, der seit Wochen Schlagzeilen macht und viele HP-Verantwortliche wie Patricia Dunn ihren Job kosteten, garantiert Interesse an dem Exposé einer Managerin, die im Zentrum der Macht stand. Fiorina selbst ordnete noch eine Untersuchung der Indiskretionen aus dem Verwaltungsrat an – die aber zu keinem Ergebnis führte.

Sie lässt keine Zweifel aufkommen, dass sie sich ungerecht behandelt fühlt und dass sie die Saat säte, die ihr Nachfolger Mark Hurd jetzt erntet. Verwaltungsräte, die entweder nicht interessiert waren oder eine eigene Agenda verfolgten, hätten sie in dem Moment abgesetzt, als ihre Kärrnerarbeit begann, Früchte zu tragen. Ihre Memoiren sind der Versuch einer Rehabilitation nach ihrem Sturz, als sie nach fünfeinhalb Jahren an der Spitze von HP von einem in sich zerstrittenen Verwaltungsrat gefeuert wurde.

Dass man ihr keine Gelegenheit zu einem ehrenvollen Abschied gab, schmerzt Fiorina offensichtlich stärker als das Zerrbild, das nach ihrer Meinung in der Öffentlichkeit von ihr gezeichnet wurde. Sie war die erste Chefin eines Weltkonzerns in den USA, und für diese Rolle war sie nach ihrer Ansicht besser vorbereitet als ihre Kollegen und die Öffentlichkeit. Mehrfach beklagt sie, dass zu viel Aufmerksamkeit der Tatsache gewidmet wurde, dass sie es als Frau an die Spitze geschafft hatte.

Wenn ein männlicher Kollege Manager entließ, war er „energisch“, wenn sie das Gleiche tat, war sie „rachsüchtig“, schreibt sie in dem gut 300 Seiten umfassenden Werk, das im November in Deutschland bei Campus erscheinen soll. Als ihr Bild neben dem der Gründer Dave Packard und Bill Hewlett aufgehängt wurde, dort, wo auch die Bilder ihrer Vorgänger Lew Platt und John Young gehangen hatten, warf man ihr Eitelkeit vor. Weil sie als Repräsentantin von HP oft öffentlich auftrat, warf man ihr Publizitätssucht vor. Sie wurde kritisiert, weil sie im Firmenjet flog. Und es gab das Gerücht, sie habe sich neben ihrem Büro ein teures Badezimmer einrichten lassen.

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