Carol Bartz
Yahoo-Chefin rüstet zum Abwehrkampf

Eine Abwehrschlacht hat Carol Bartz schon gewonnen, nun muss sie Finanzinvestoren abwehren, die Einlass bei Yahoo begehren. Keine leichte Aufgabe für die Multimillionärin. Doch wenn Bartz jetzt Aktionäre und Manager hinter sich bringt, werden die Finanzhaie der Wall Street eine harte Gegnerin haben.
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DÜSSELDORF. Carol Bartz lacht viel und ist sich selbst für derbe Späße nicht zu schade. Am 15. Geburtstag von Yahoo stand sie in der Pförtnerloge des Yahoo-Campus im kalifornischen Sunnyvale. Autofahrern rief sie ein fröhliches "Willkommen bei Yahoo" entgegen und war nicht beleidigt, dass so mancher die resolute Anfang-Sechzigerin nur verständnislos ansah, bis sie aufklärte: "Ich bin hier der CEO."

Das war im März, und den 16. Geburtstag wird sie vielleicht nicht mehr mitfeiern. Keine drei Jahre nach der Abwehrschlacht gegen Microsoft begehren diesmal offenbar Finanzinvestoren Einlass, bewaffnet mit Milliarden von Dollar. Das bedeutet Zerschlagung oder Fremdbeherrschung.

Seit Januar 2009 reorganisiert Bartz Yahoo, und selbst Kritiker bescheinigen ihr, dass sie die Trends erkannt hat. Yahoo kämpft nicht gegen Facebook oder Twitter - es integriert und kooperiert. Doch das alles geht zu langsam im aufgeputschten Silicon Valley.

Trotzdem wäre die in Minnesota geborene Kämpferin die Richtige, um den Angriff der Finanzinvestoren abzuwehren, ohne irreparable Schäden anzurichten. Die Multimillionärin hat jahrzehntelange Managementerfahrung, gilt als verhandlungsstark, stressgeprüft und vor allem objektiv und emotionslos gegenüber Yahoo. Sie will die beste Lösung.

Stellen sich Aktionäre und Yahoo-Board hinter sie und glauben ihr, dass diesmal unvoreingenommen ein gutes von einem schlechten Angebot unterschieden wird, werden die Finanzhaie der Wall Street eine harte Gegnerin haben. Und im Zweifel bekommt sie dann auch noch einmal die Zeit, um allein weiterzumachen, wenn die Übernahmeofferten am Ende doch zu dünn sind.

Hintergrund: Der Bieterkampf um Yahoo

Wie das "Wall Street Journal" aus Kreisen erfahren haben will, rechnen mehrere Finanzinvestoren eine Übernahme des Silicon-Valley-Pioniers durch. Zu den Interessenten sollen auch Silver Lake Partner und Blackstone Group gehören. Yahoo wird mit gut 20 Mrd. Dollar an der Börse bewertet. Yahoo-Chefin Carol Bartz selbst hatte jüngst verkündet, man könne sich jeden Partner vorstellen, wenn "der Preis stimmt. Aber Yahoo steht derzeit nicht zum Verkauf."

Trotzdem wird sie jetzt schneller beim Wort genommen. Die Verteidigung wird schwer - zumal die Yahoo-Aktionäre schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Sie hoffen auf ein Gelingen der Attacke: Die Aktie schoss zeitweilig um 14 Prozent in die Höhe.

Mit an Bord der Angriffstruppe ist offenbar auch der Internetdienst AOL. Dessen CEO Tim Armstrong hat seit dem Börsengang Ende 2009 kaum Erfolge in der Umstrukturierung zum Web-Medien- und Inhaltekonzern erzielen können. Mit Yahoo erhofft er sich, Größe zu kaufen, und darüber hinaus populäre Dienste wie Yahoo Sports oder Yahoo Entertainment.

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