Carsten Maschmeyer rührt die Werbetrommel
AWD auf allen Kanälen

Eine Imagekampagne auf allen Kanälen, eine „Geburtstagsfeier der Superlative“ mit 10 000 Gästen, Nelson Mandela und Gerhard Schröder: AWD-Chef Carsten Maschmeyer wirbt massiv für sich und sein Unternehmen - und verschleiert damit doch nur die Probleme des Finanzvertriebs.

FRANKFURT. Carsten Maschmeyer ist einer, der auffallen will. Seit er „sein Baby“, den Finanzvertrieb AWD, an die Schweizer Versicherung Swiss Life verkauft hat, scheint dieses Bedürfnis noch stärker geworden zu sein. Denn derzeit rückt der Chef von AWD sich und sein Unternehmen mehr denn je ins Rampenlicht.

Im Fernsehen fährt AWD auf allen wichtigen Kanälen eine aufwendige Imagekampagne. In den Zeitungen annonciert er nach allen Regeln der Kunst. Der viel beachtete Höhepunkt war ein vierseitiger Aufschlag in der „Welt am Sonntag“ am 6. Juli – inclusive einer gewaltigen Überschrift auf der Titelseite: „AWD – mehr Netto für alle durch unabhängige Beratung.“

Damit läutete der AWD-Gründer seine „Geburtstagsfeier der Superlative“ am gleichen Tag in Hannover ein. Rund 10 000 Freunde, Bewunderer und Mitarbeiter gratulierten zum 20. Firmenjubiläum – unter anderem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Moderator Thomas Gottschalk, Schauspielerin Veronika Ferres, Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld und der Friedensnobelpreisträger Kofi Annan.

Mit Prominenz umgibt sich Maschmeyer seit jeher gerne. Doch so pompös wie in diesem Juli ist er es noch nie angegangen. Das mag daran liegen, dass er nicht mehr sein eigenes Geld ausgibt, sondern auf dem Schweizer Ticket fährt. Genau hier liegt offenbar auch sein großes Problem.

Für seine 6 400 Finanzberater will er sichtbar bleiben. Er muss sie weiter motivieren, damit sie auch künftig mit breiter Brust zum Kunden laufen und Verträge zeichnen. Deshalb betont er bei jeder Gelegenheit, wie unabhängig seine Vermittler seien. Das glaubt in der Branche zwar so gut wie keiner, denn jedem ist klar: Die Schweizer haben AWD nur gekauft, um ihre Produkte stärker unter die Leute zu bringen. Doch Maschmeyer lässt sich – bisher – nicht beirren und manövriert sich mit dem Thema „Unabhängigkeit“ strategisch immer stärker in die Ecke.

Dafür gibt es zwei Erklärungen. Die erste liegt in seiner Persönlichkeit. Er hat ein Unternehmen von nahezu null zu einem Konzern mit zwei Millionen Kunden hochgezogen. Den Kontrollverlust kompensiert er nun durch öffentliche Aktionen. Damit überdeckt er zugleich – das ist die zweite Erklärung – die zahlreichen Probleme seiner Organisation. Im Inland laufen ihm Hunderte Berater weg, im Ausland läuft es derzeit so gar nicht. Das gilt für Großbritannien wie für Österreich – und damit auch für den angeblichen Zukunftsmarkt Osteuropa, wie Analysten inzwischen vermuten. Schon sagen Experten ein extrem schlechtes zweites Quartal voraus und einen Gewinneinbruch im Gesamtjahr. Das ist auch deshalb wahrscheinlich, weil Anwerbe- und Halteaktionen für Finanzberater viel Geld kosten. Maschmeyer nennt dies „Investitionen“. Welche Qualität diese haben, so munkeln Gegner, zeigt sich wohl erst im nächsten Jahrzehnt.

Ob er dann noch beim AWD den Vorkämpfer spielt? Noch braucht Swiss Life ihn, um AWD zusammenzuhalten. Doch wie lange noch, wenn er nun Quartal für Quartal miese Zahlen vorlegt?

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