Cash-Flow
Welchen deutschen Firmen das Geld ausgeht

Die Erträge deutscher Industrie- und Dienstleistungskonzerne schrumpfen, bei einigen ist der Cash-Flow sogar negativ. Darum wird gespart und geplante Investitionen verschoben. Für viele Unternehmen wird das nicht reichen. Eine Auswertung des Handelsblatts zeigt, welche Unternehmen in der Krise besonders unter Druck geraten.

DÜSSELDORF. Als Folge der Wirtschaftskrise geraten die Erträge deutscher Industrie- und Dienstleistungskonzerne immer stärker unter Druck. Ein rapider Rückgang des Mittelzuflusses aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verschärft die Lage zusätzlich. Wie eine Auswertung des Handelsblatts der Finanzberichte für das erste Quartal zeigt, weisen 25 Unternehmen aus Dax und MDax für die ersten drei Monate 2009 sogar einen negativen operativen Cash-Flow aus.

Generell gilt: Die Unternehmen sparen, wo sie können. Sie drosseln die Produktion und verschieben geplante Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen. Darüber hinaus werden Vorräte und Forderungen zügig abgebaut, um die dort gebundenen Liquiditätsreserven zu mobilisieren. Doch in einer zunehmenden Anzahl von Fällen reicht das nicht aus, um die Ausgaben für bloße Instandhaltungsinvestitionen mit eigenen Mitteln zu bestreiten.

Besonders hart trifft es die Unternehmen, die nicht über ein ausreichendes Liquiditätspolster verfügen, aber zeitnah Schulden tilgen oder refinanzieren müssen. Kritisch war die Situation zum Quartalsende vor allem bei Premiere. Der Münchener Bezahlsender konnte nur noch eine Cash-Ratio, die das Verhältnis von flüssigen Mitteln zu kurzfristigen Finanzschulden angibt, von vier Prozent vorweisen. Mit der Kapitalerhöhung um 412 Mio. Euro verschaffte sich das Unternehmen etwas Luft. Zusätzlich stehen Premiere nun neue langfristige Kredite von 525 Mio. Euro zur Verfügung.

Kritisch ist die Lage auch bei den MDax-Konzernen Rheinmetall und Leoni, beide sind von der Krise in der Autoindustrie stark betroffen. Und bei beiden Unternehmen ist die Cash-Ratio mit 35 Prozent und 44 Prozent relativ gering. Noch strebt Leoni vor allem durch Kostensenkungen einen ausgeglichenen Free Cash-Flow (operativer Cash-Flow minus Investitionen) zum Jahresende an. Ob der Autozulieferer dieses Ziel erreichen kann, bleibt abzuwarten. Rheinmetall baut mehrere Tausend Stellen in seiner Autozuliefersparte ab, die das Gesamtjahr 2009 wohl mit einem Minus von 180 Mio. Euro abschließen wird. Dank steigender Erträge in der zweiten Sparte, Wehrtechnik, dürfte der Düsseldorfer Mischkonzern unter dem Strich aber einen kleinen Überschuss einfahren. Trotzdem senkte die Rating-Agentur Moody’s die Kreditwürdigkeit von Rheinmetall jüngst auf „Baa3“- das ist die niedrigste Stufe für sicherheitsorientierte Investoren.

Vor allem durch einen zügigen Abbau der Vorräte schaffte es der Stahlriese Thyssen-Krupp im ersten Geschäftshalbjahr, das im März endete, einen positiven operativen Cash-Flow zu erzielen. Doch nachhaltig ist eine solche Strategie nicht immer. „Desinvestitionen im Anlage- oder Umlaufvermögen führen kurzfristig zu einer Erhöhung des Cash-Flows“, sagt Michael Lister, Professor an der School of Management and Innovation (SMI) der Steinbeis-Hochschule Berlin. „Langfristig muss das Unternehmen jedoch wieder investieren, um entsprechende Umsätze machen zu können.“

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