Cécile Bonnefond, Veuve Clicquot
„Ich habe die gläserne Decke durchbrochen“

Veuve Clicquot ist eine der bekannteste Champagnermarken der Welt. Im Interview verrät Veuve Clicquot-Chefin Cécile Bonnefond, warum derzeit Katerstimmung in der Branche herrscht und wie sie einst versuchte, den Franzosen ihr geliebtes Baguette auszureden.

Handelsblatt: Die weltweite Finanzkrise wirkt sich deutlich negativ auf die Champagner-Verkäufe aus: 2008 ist der Absatz erstmals seit Jahren zurückgegangen, meldet der Branchenverband CIVC. Wie sieht es bei Veuve Clicquot aus?

Bonnefond: Unsere Mutter, der Luxusgüterkonzern LVMH, kommuniziert für die einzelnen Marken, zu denen auch Veuve Clicquot zählt, grundsätzlich keine konkreten Verkaufs- und Umsatzzahlen. Alles was ich sagen kann, ist, dass wir der Krise derzeit eher gut widerstehen. In den vergangenen Jahren haben wir zudem ein wirklich formidables Wachstum gesehen.

Krise hin oder her, wie bringen Sie Menschen dazu, mehr als 35 Euro für eine Flasche Champagner auszugeben?

Echter Luxus hat immer etwas Besonderes, das ist sowohl rational als auch irrational. Für mich sind der Geschmack und die Geschichte von Veuve Clicquot ausschlaggebend. Wir können rational erklären, warum wir anders sind und woher das kommt. Dafür leisten wir uns als Champagner-Haus eine Vollzeit-Historikerin.

Versteht ein Franzose etwas anderes unter Luxus als ein Deutscher? Führt das bei Veuve Clicquot zu unterschiedlichen Marketingstrategien?

Luxus unterscheidet sich zwar von Land zu Land, doch wir verkaufen als Franzosen französischen Luxus. Mit Champagner sagt man: Ich liebe dich, wir sind erfolgreich, ich gratuliere dir. Wir sagen das auf die französische Art und sind Botschafter des französischen Lifestyles. Wer Veuve Clicquot trinkt, erwartet keinen deutschen Sekt. Bewusst oder unbewusst wählen die Leute unser „Art de Vivre“. Wären wir Italiener oder Engländer, würden wir Luxus anders ausdrücken.

Kann nur ein Franzose CEO von Veuve Clicquot sein?

Natürlich könnte das Unternehmen auch von einem Ausländer geführt werden. Aber es müsste jemand sein, der Frankreich wirklich tief versteht und die französische Lebensart liebt. Er muss Wein und Champagner kennen. Weil wir weltweit verkaufen, brauchen wir Leute aus der ganzen Welt. Wir überlegen: Was müssen wir tun, damit unsere französische Note auch für Japaner, Deutsche oder Südafrikaner zugänglich wird.

Sie haben 1973 ein Jahr lang an der European Business School (EBS) in Offenbach verbracht. Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Deutschland denken?

Das kalte Wetter! Deutsch war in der Schule nur meine zweite Sprache, deshalb musste ich erst mal Vokabeln pauken, sonst hätte ich den Unterricht nicht verstanden. Obwohl wir aus Paris und London in die Kleinstadt Offenbach kamen, hatten wir viel Spaß. Frankfurt war ja ganz in der Nähe.

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