Cem Peksaglam
Wacker Neuson ernennt türkischstämmigen Chef

Cem Peksaglam ist vor kurzem zum Vorstandsvorsitzenden des SDax notierten Unternehmen Wacker Neuson ernannt worden. Ein Novum: Bislang gibt es in der deutschen Wirtschaft nur wenige türkischstämmige Manager.
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Stuttgart, MünchenDen eleganten Anzug und die Krawatte wird Cem Peksaglam künftig öfter einmal gegen den Blaumann eintauschen müssen. Schließlich sind es die Baggerfahrer, die der neue Chef des Baumaschinenkonzerns Wacker Neuson von seinen Produkten überzeugen muss.
Gestern hat das im SDax notierte Unternehmen den 43-jährigen Peksaglam zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Der Diplombetriebswirt kommt vom Autozulieferer Bosch. Er wird am 1. September in der Zentrale von Wacker Neuson in München anfangen.
Peksaglam ist eine Ausnahmeerscheinung. Noch immer gibt es in der deutschen Wirtschaft nur wenige türkischstämmige Top-Manager - so wie Nedim Cen, der es bei Q-Cells ganz nach oben geschafft hat. Seit Anfang 2010 führt der Manager die Solarfirma.
Bei Bosch hat Peksaglam eine geradezu mustergültige Karriere gemacht. Er war in Singapur und Brasilien tätig und zuletzt für den Vertrieb der Sicherheitssparte mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro verantwortlich.
Bosch bemüht sich schon lange um die kulturelle Vielfalt seines Managements. Ein Beispiel dafür ist der ebenfalls türkischstämmige Gürcan Karakas. Er hat als Chef der 14 000 Bosch-Servicestationen mit seinen 45 Jahren die dritthöchste Ebene im Konzern erklommen und gehört zu den ranghöchsten Boschlern ausländischer Abstammung.
Peksaglam zählte wie Karakas zu den Mitarbeitern türkischer Herkunft, die bei Bosch besonders gefördert wurden. Darüber hinaus gibt es ein türkisches Forum, das sich ähnlich wie beim Autobauer Daimler um Integration bemüht. "Vielfalt ist ein wichtiger Treiber für Innovation, viele Köpfe mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedliche Geschlechter tragen zur Ideenfindung bei", betonte zuletzt Boschs Personalchef Wolfgang Malchow.
Ein Jahr lang hat Wacker Neuson nach einem neuen Konzernchef gesucht. Im Sommer 2010 hatte der langjährige Vorstandschef Gerhard Schick überraschend gekündigt, seither hat Vorstand Richard Mayer die Firma übergangsweise geführt.
Der Neue tritt kein leichtes Amt an. Wacker Neuson ist in der heutigen Form ein junges Unternehmen, das im Jahr 2007 aus der Fusion der Münchener Wacker und der österreichischen Neuson hervorging. Das Unternehmen produziert kompakte Baumaschinen wie Kleinbagger und Radlader.
Zwischen den beiden Hauptgesellschaftern aus Österreich und Deutschland hat es zwischenzeitlich gewaltig geknirscht. 2009 war sogar der Aufsichtsratschef abberufen worden. Der Gründer und Ex-Chef des österreichischen Teils Neuson, Johann Neunteufel, klagte sich in die Firma zurück. Noch heute sind die zwei Stämme die wichtigsten Eigner.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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