Charles Milhaud hat die Sparkassen zu Frankreichs drittgrößter Bank gemacht
Vom Geldboten zum Großbanker

Charles Milhaud hat aus Frankreichs Sparkassen eine schlagkräftige Universalbank geformt, die börsennotierte Konkurrenten wie Crédit Agricole oder BNP Paribas nicht zu fürchten braucht - eher umgekehrt. Denn die Groupe Caisse d'Epargne ist nach Aktiva Frankreichs viertgrößte Bank, nach der Kundenzahl ist sie sogar Nummer drei, und Milhaud strebt mit ihr an die Börse.

PARIS. Ein runder gemütlicher Körper, eine Lesebrille, die jeden Moment von der Nase zu rutschen scheint und ein südfranzösischer Akzent, bei dem aus den Nasal-Lauten wie bei „Matin“ ein „Matäng“ wird: Wenn Charles Milhaud vorträgt, verkörpert er scheinbar perfekt Frankreichs Sparkassen, deren Präsident er ist: Provinziell, solide – und ein bisschen langweilig.

Das täuscht: Während Deutschlands Sparkassen ihr Regionalprinzip wie eine Monstranz vor sich her tragen und endlos über Reformen streiten, hat Frankreichs Sparkassen-Chef längst gehandelt: Er formte aus den Caisses d'Epargne eine schlagkräftige Universalbank, die börsennotierte Konkurrenten wie Crédit Agricole oder BNP Paribas nicht zu fürchten braucht – eher umgekehrt. Denn die Groupe Caisse d'Epargne ist nach Aktiva Frankreichs viertgrößte Bank, nach der Kundenzahl ist sie sogar Nummer drei, und Milhaud strebt mit ihr an die Börse.

Milhauds Vorhaben haben wenig Provinzielles: Derzeit verhandelt er zum Beispiel mit der Investmentbank Lazard über eine Beteiligung an dem weltbekannten Traditionshaus. Und auch an eine Ausweitung der bereits bestehenden Zusammenarbeit der beiden so unterschiedlichen Banken ist gedacht.

Ein unscheinbarer Typ mit hochfliegenden Plänen: Charles Milhaud ist Frankreichs atypischster Top- Banker. Anders als die Chefs von BNP oder Société Générale hat der Sparkassenchef nie eine Elite-Uni besucht, die in Frankreich üblicherweise die Türen zu den Topetagen öffnen. Milhaud studierte in Montpellier Physik, schloss das Studium aber nie ab, weil er als Jungverheirateter rasch Geld verdienen musste.

Internationale Erfahrung? Fehlanzeige. Auf Englisch kann er nur radebrechen. Der im südfranzösischen Sète geborene Milhaud hat sein ganzes Berufsleben bei den Sparkassen zugebracht – mittlerweile 40 Jahre. „Wie Obelix bin ich als kleiner Jun-ge in den Kochtopf ‚Sparkassen' gefallen“, kommentiert er augenzwinkernd seine lineare Biographie.

1964 heuert Milhaud in der Sparkasse in seinem Heimatort an, die von seinem Vater Georges geführt wird. Daneben gab es nur noch zwei weitere Angestellte: einen Kassierer und eine Sekretärin. Schon damals nervten ihn die Beschränkungen, die den Sparkassen durch ihren besonderen Status auferlegt waren: „In der Region gab es viele Touristen“, erinnert er sich, „ich wollte einen Schalter für Geldumtausch öffnen. Doch es war unmöglich.“ Denn damals waren die Sparkassen noch keine Vollbank, sie durften nur die Sparcentimes der Franzosen einsammeln und auf das steuerlich begünstigte Sparbuch „Livre A“ packen.

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