Charles Thomas Munger arbeitet seit dreißig Jahren im Schatten von Warren Buffett
„Was meinst du, Charlie?“

Seit Jahrzehnten bestreiten Warren Buffet und Charlie Munger die Hauptversammlung der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Bufffett ist 73 und Munger 80 Jahre alt. Sie haben aus einem maroden Textiunternehmen eine Firma mit einem Wert von 130 Milliarden Dollar gemacht.

OMAHA. Die Kongresshalle liegt in Halbdunkel, nur das Podium mit den zwei Stühlen strahlt im Scheinwerferlicht. Dort sitzen zwei alte Männer. Um sie zu hören und zu sehen, sind fast 20 000 Menschen nach Omaha in den Präriestaat Nebraska gepilgert.

„Wir machen das hier gemeinsam, weil Charlie gut hört, und ich kann einigermaßen sehen“, sagt Warren Buffett, 73, zum Auftakt der Hauptversammlung seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Charlie Munger neben ihm ist noch sieben Jahre älter und seit einer Augenoperation sehbehindert. Er nimmt den derben Humor Buffets gelassen hin, schließlich weiß man, was man aneinander hat.

Langjährige Aktionäre nennen das, was vergangenen Freitag auf der Bühne im Kongress-Center von Omaha stattfand, die „Warren-und Charlie-Show“. Seit Jahrzehnten bestreiten Buffett und Munger die Hauptversammlungen von Berkshire gemeinsam. 1978 machte Buffett seinen Freund Munger zum Vize-Chairman von Berkshire Hathaway und damit zu seiner Nummer zwei. Mit Mungers Rat hatte Buffett das dahinsiechende Textilunternehmen zu einer weit verzweigten Investmentgesellchaft umgebaut, heute ist die Firma an der Börse mehr als 130 Milliarden Dollar wert. Berkshires Imperium umfasst große Aktienpakete an Coca-Cola, American Express und dem Rasierkonzern Gilette. Außerdem gehören die Kleidermarke Fruit of the Loom dazu, der Autoversicherer Geico und der Versicherer General Re (mit der Tochter Kölner Rück).

Buffett, der nach eigenen Angaben jede Anlageentscheidung mit Munger bespricht, ist inzwischen der zweitreichste Mann der Welt, hinter Bill Gates und weit vor Aldi-Gründer Theo Albrecht. Munger selbst rangiert mit einem geschätzten Vermögen von 1,6 Milliarden Dollar auf Rang 356 der Liste der reichsten Männer der Welt, die das Magazin Forbes veröffentlicht.

Im Scheinwerferlicht steht der zweitgrößte Berkshire-Aktionär aber nur einmal pro Jahr – auf der Hauptversammlung. Dort spielen Munger und Buffett sich die Bälle zu. Buffett schlüpft in die Rolle des freundlichen, schlichten Genies und beantwortet selbst die abwegigsten Fragen mit einem Lächeln. Dagegen gibt sich Munger wortkarg und spröde. „Ich meine, wir sollten zum nächsten Punkt übergehen,“, bügelt er einen Aktionär ab, der einen ebenso gut gemeinten wie komplizierten Antrag stellt. Wenn Munger zur Sache kommt, dann bringt er Buffets Ideen prägnant auf den Punkt, Arbeitsteilung à la Berkshire.

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