Chef bei Vivantes: Sprechstunde beim Sanierer

Chef bei Vivantes
Sprechstunde beim Sanierer

Wer kennt schon Holger Strehlau-Schwoll? Außerhalb der Gesundheitsbranche kaum jemand. Und doch ist ihm in den kommenden Monaten die Aufmerksamkeit von Tausenden Arbeitnehmern sicher, die um ihren Arbeitsplatz fürchten. Gestern stellte sich der neue Chef des Berliner Klinik-Konzerns Vivantes erstmals der Öffentlichkeit. Der drahtige 49-Jährige machte gleich klar, wo es für die Ärzte künftig langgeht: „Wer wenig arbeitet, verdient auch wenig.“

HB FRANKFURT. Vivantes ist einer der größten Arbeitgeber in der mit Krankenhäusern überversorgten Hauptstadt. Die Gruppe deckt mit neun Hospitälern im Ost- und Westteil der Stadt fast ein Drittel der Berliner Krankenhausdienstleistungen ab. Obwohl bereits Strehlau-Schwolls Vorgänger viele Stellen nicht neu besetzte und strich, geht in der Gruppe die Angst vor einem weiteren Stellenabbau um.

Sanierungsfälle sind nichts Neues für den Duisburger Betriebswirt, der sein Berufsleben in der Stahlindustrie begann, bevor er 1983 in die Gesundheitsbranche wechselte. Zuletzt machte er die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) wettbewerbsfähig. Ihm gelang es, die kommunalen Krankenhäuser der Stadt Wiesbaden in die Gewinnzone zu bringen und Einrichtungen im Umland zu übernehmen.

Nicht nur sein Schnurrbart stemmt sich gegen den Zeitgeist, sondern auch seine Vorliebe für Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft. Vivantes gehört dem Land. Strehlau-Schwoll weigert sich, den Verkauf an private Betreiber als einziges Mittel gegen die Krankenhaus-Malaise zu sehen: „Wenn das Management genügend Gestaltungsspielraum erhält, ist es ziemlich egal, wer Gesellschafter ist.“

In der Wiesbadener Klinik sind die Meinungen über ihn geteilt. Während viele Ärzte sein rigides Kostenmanagement beklagen, wird Strehlau-Schwoll von vielen anderen Mitarbeitern geradezu verehrt. Die Zusammenarbeit sei ergebnisorientiert und fair gewesen, sagt Betriebsratschef Michael Drott und lobt die offene Sprechstunde: „Einmal im Monat konnte jeder Mitarbeiter ohne Voranmeldung bei ihm Ärger, Fragen und Lob loswerden.“

In Berlin sind es nicht die Gesellschafter, sondern die Krankenkassen, die seinen Spielraum einschränken. Noch unter seinem Vorgänger vereinbarten sie, dass das 640-Millionen-Euro-Budget der Vivantes-Kliniken in diesem Jahr um 19 bis 20 Millionen gesenkt wird. In den Tarifverhandlungen wird Strehlau-Schwoll daher versuchen, den teilweisen Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld fortzuschreiben. Damit haben die Mitarbeiter Vivantes schon einmal vor der Insolvenz gerettet.

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