Chef der Axa-Fondssparte schreckt die Branche auf
Der Mann, der allein dem Computer vertraut

Nicolas Moreau gibt der Vermögenserwaltung des Versicherers Axa ein neues Gesicht - mit friedlichen Mitteln. Aber offensiv ist auch er, beim Umbau der eigenen Firma wie in seiner Rhetorik.

FRANKFURT/M. Er ist ein 345-Milliarden-Euro-Mann. Doch das verbirgt Nicolas Moreau hinter kleiner Statur und unauffälliger Erscheinung. Auf der Straße würde man am Chef von Axa Investment Managers vorüber gehen, ohne Notiz zu nehmen. Aber klein war Napoleon auch.

Napoleon und Moreau haben Gemeinsamkeiten. Sie sind Franzosen und treiben die Dinge voran. Moreau gibt der Vermögenserwaltung des Versicherers Axa ein neues Gesicht - mit friedlichen Mitteln. Aber offensiv ist auch er, beim Umbau der eigenen Firma wie in seiner Rhetorik. Das wird im Gespräch mit dem gerade einmal 39 Jahre alten Mann klar.

Moreaus größte Tat ist schon Teil seiner Biografie. Aber sie ist aktueller denn je, gerade mit Blick auf Deutschland. Bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren machte er fast das gesamte aktive und fundamental ausgerichtete Aktienmanagement wegen schlechter Wertentwicklung dicht. Dass warf das Selbstverständnis der Geldverwalter völlig über den Haufen. Wer gibt schon gerne zu, dass er seinem Existenzanspruch, eine gute Rendite zu erzielen, nicht gerecht werden kann. Der Kehraus führte zu Tumulten. Fondsmanager mussten den Hut nehmen.

Die Schließung war nur der erste Schritt. Moreau lenkte die betroffenen Gelder in die kurz vorher erworbene Axa Rosenberg um. Die Gesellschaft managt ihre Aktiengelder ausschließlich nach den Researchergebnissen eines Computermodells - und das erfolgreich.

„Mit der Konzentration auf Kernkompetenzen haben wir sicher eine gewisse Vorreiterrolle übernommen“, glaubt Moreau. Bei seinen großen deutschen Konkurrenten hapert es da noch. Jetzt traut sich erstmals die Cominvest mit einem ähnlich radikalen Plan nach vorne. Die Commerzbank-Fondstochter will in diesem Zuge sogar die Hälfte der Fonds dichtmachen oder zusammenlegen.

Moreau und sein deutscher Statthalter Christian Wrede haben auch hier zu Lande noch einiges vor. Der lange abgeschottete Markt öffnet sich: „Es ist deshalb auch ein Teil Normalisierung, wenn die Ausländer Anteile gewinnen.“ Dann ein Seitenhieb auf die Konkurrenten: „Vielleicht haben einige lokale Spieler zu sehr ihren Heimatmarkt vernachlässigt.“

Der schnelle Franzose scheint sich in der Offensive wohl zu fühlen. Vor einigen Tagen legte er sich auch mit dem europäischen Fondsverband an. Er gründete eine eigene Interessenvertretung von 14 internationalen Asset-Managern mit Europa-Aktivitäten. „Wir können da schneller Entscheidungen treffen und müssen keine Kompromisse suchen“, sagt er forsch. Er verweist darauf, dass der andere Verband, dem die 14 pikanterweise auch angehören, mit seinen nationalen Verbänden, Asset-Managern und Aufsichtsbehörden recht schwerfällig sei. Wie man hört, ist Verbandspräsident Wolfgang Mansfeld gar nicht entzückt über die interne Abspaltung.

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