Chef der Fondsgesellschaft DWS
Axel Benkner: Immer in Verletzungsgefahr

An kämpferischem Ehrgeiz fehlte es Axel Benkner nie – auch im Alltäglichen nicht. Beim jüngsten Kick mit Journalisten etwa: Da ärgerte sich der Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft, DWS, lautstark, wenn ihm der Gegner den Ball abnahm oder der eigene Mitspieler einen Fehler machte. Benkner zeigte beim Spiel so viel Eifer, dass er schließlich verletzt vom Platz gehen musste. Typisch Benkner, sagen seine Mitarbeiter.

DÜSSELDORF. Seinen Kampfgeist wird der DWS-Mann in den kommenden Wochen brauchen, denn im Geschäft gibt es Probleme. Die größte Baustelle: die Schwierigkeiten, die mit dem Verkauf der von vielen Experten als „desolat“ beschriebenen Vermögensverwaltung der Deutschen Bank (Deutsche Asset Management, DeAM) in Großbritannien zusammenhängen. „Damit bricht auch ein wichtiger Baustein für das europäische Aktiengeschäft mit deutschen institutionellen Kunden weg“, sagt Hartmut Leser, Geschäftsführer der Consultingfirma Feri Institutional.

Benkner leitet zwar das Privatkundengeschäft, aber negative Ausstrahlungen sind dank der Verzahnung von DeAM und DWS wahrscheinlich. Das institutionelle Geschäft in Deutschland steht auch unabhängig von den britischen Störausläufern unter Druck. Deutlichstes Zeichen hierfür ist die Zahl der wichtigen Mitarbeiter, die die Gesellschaft verlassen haben oder noch gehen werden.

Oliver Behrens, Chef der Sparte und Vorsitzender des Verwaltungsrates der DWS Luxemburg, wird spätestens zum Jahresende seinen neuen Job beim Sparkasseninstitut Dekabank antreten. Mit Christophe Bernard ist ein weiterer führender Kopf bei DeAM Deutschland gegangen. Der in der Branche ebenfalls sehr angesehene Klaus Mössle wechselte schon vor einiger Zeit zu Fidelity. „Weitere Personen werden folgen“, sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte. Die Personalpolitik der Deutschen Bank auf diesem Feld lässt einen Kenner des Hauses vermuten: „Es scheint fast so, als wolle man das deutsche institutionelle Geschäft systematisch zerstören.“

Das ist starker Tobak. Andere Experten gehen das Thema zurückhaltender an. Roger Schneider, bei der Ratingagentur Fitch für den deutschsprachigen Raum zuständig, hat die Bewertung der Frankfurter DeAM-Sparte erstmal auf „Rating Watch Negative“ gesetzt. Mit Blick auf die Personalabgänge sagt er: „Derzeit fehlt die Persönlichkeit, um die Geschäfte erfolgreich weiterführen zu können – aber eine Situation wie in Großbritannien sehe ich nicht.“

Mindestens so brisant wie die Entwicklung bei DeAM ist ein strategischer Schritt, der unmittelbar die DWS als Publikumsfondsgesellschaft betrifft. Benkner muss sich als Chef seines Hauses und in Personalunion als Vorstand des hiesigen Fondsverbandes schon seit längerem gegen die wachsende Konkurrenz durch Zertifikate wehren. Jetzt schlägt der 53-Jährige bei den so genannten strukturierten Produkten, die im Gegensatz zu Fonds sehr spezielle Auszahlungsversprechen bieten können, zurück.

Die DWS heuerte ein dreiköpfiges Derivateteam der ABN Amro Bank an. Der als Vordenker auf diesem Gebiet geltende Stephan Kunze genießt einen guten Ruf und wird Anfang Oktober seine Arbeit bei der DWS aufnehmen. Zwei seiner erfahrenen Kollegen aus London sind mit im Boot. „Da wird es einen großen Schub für strukturierte DWS-Produkte im Privatkundenbereich geben“, sagt ein Insider und spricht von „hochfliegenden Plänen“. Wie die zu erwartende Fondsinitiative im Detail aussehen soll, ist noch unbekannt. Ein DWS-Sprecher erläutert allerdings, die seit vergangenem Jahr geltenden neuen Investmentrichtlinien erlaubten einen sehr weit gehenden Einsatz von Derivaten in Fonds. Das werde derzeit noch kaum genutzt. Die ABN-Spezialisten dürften das ändern.

Beim Spiel im eigenen Haus kann sich Benkner demnach gute Chancen ausrechnen: Rückstand dank DeAM, aber ein Konter mit Derivatehilfe könnte die Führung bringen. Das Geschäft mit Privatkunden ist ohnehin lukrativer als das margenschwache Business mit den Institutionellen.

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