Chef der Schokoladenfabrik Halloren
Der Herr der Kugeln

Klaus Lellé, Chef von Deutschlands ältester Schokoladenfabrik Halloren mit Sitz im ostdeutschen Halle, will mit Akquisitionen auch die alten Bundesländer erobern. Er hat das Traditionsunternehmen erst kürzlich an die Börse geführt.

HALLE. Sie ist zierlich, süß und wartet im Büro auf Klaus Lellé. Der Manager kann nicht anders, er gönnt sie sich mehrmals am Tag. Die Katzenzunge aus zarter Vollmilchschokolade nascht er am liebsten. Lellé ist bekennender „Schokoholic“. Die süße Versuchung ist groß – und allgegenwärtig. Denn der 47-Jährige ist Vorstandschef von Halloren, Deutschlands ältester Schokoladenfabrik. 1997 übernahm er den Chefposten in Halle. Seitdem verdoppelte er den Umsatz auf 26 Millionen Euro.

Im Mai ging Halloren erfolgreich an die Börse. Einen Teil des Emissionserlöses investierte das Unternehmen in den Bau einer neuen, inzwischen feierlich eröffneten Produktionshalle. Auch die Halbjahrszahlen des Unternehmens dürften Lellé erfreut haben, sie lagen über Plan. Wie zu DDR-Zeiten ist der vor 15 Jahren reprivatisierte Produzent der „Halloren-Kugel“ in den neuen Bundesländern neben Rotkäppchen-Sekt und Knusperflocken eine feste Größe. Die Kugel, die halb aus Sahnecreme, halb aus Kakaomasse besteht, ist ein echter Klassiker. Sie wird seit 1952 hergestellt und trägt immer die Hälfte zum Umsatz bei.

Satt ist der schlanke Chef mit den feinen Gesichtszügen noch lange nicht. Wenn er über die Zukunft spricht, ist ihm der Hunger nach Wachstum anzumerken. Er spricht schnell, oft unterbricht er seine eigenen Gedanken. Anzeichen von Zweifel sind das nicht: Er hat stets die passende Antwort parat. Beim Wort „Akquisitionen“ leuchten seine Augen. „In Ostdeutschland hängen wir mit dem Kopf unter der Decke, hier haben wir eine Verbreitung von 98 Prozent“, sagt Lellé. Im Westen indes habe Halloren noch „viele weiße Flecke auf der Karte“.

Ein Neuling habe es schwerer als ein etablierter Lieferant, mit seinen Produkten in die Regale der Supermärkte zu kommen, erklärt der Sprecher des Verbands der Süßwarenindustrie. Deshalb könnten Unternehmen wie Halloren noch harte Verhandlungen bevorstehen. Lellé verhandelt bereits mit westdeutschen Händlern, doch gegen die Trennung der Schokoladenrepublik Deutschland hat er noch ein weiteres Rezept: zukaufen. Neun Millionen Euro hat das 1804 gegründete und 2006 in eine AG umgewandelte Unternehmen beim Börsengang erlöst. Nach dem Bau der neuen Produktionshalle und der Rückzahlung einer Anleihe sind noch reichlich Mittel in der Kasse.

Drei mittelständische Unternehmen hat der Herr über 330 Mitarbeiter momentan auf dem Einkaufszettel. „Ich bin optimistisch, dass wir mindestens eine Übernahme bis zum Jahresende verkünden können“, sagt er. Namen will er nicht nennen, es handele sich aber um Confiserie-Betriebe. „Wir haben ein deutliches Wachstum bei den Premium-Produkten. Genuss und Qualität stehen bei den Kunden im Vordergrund, nicht der Preis“, begründet Lellé die Suche nach passenden Partnern.

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