Chef der US-Investmentbank verjüngt den Vorstand, um Kritiker zu besänftigen.
Führungskämpfe bei Morgan Stanley

Die Führungskrise bei der New Yorker Investmentbank Morgan Stanley spitzt sich zu. Mit einem Personalrevirement versucht der in die Kritik geratene Chef Philip Purcell einen Befreiungsschlag.

NEW YORK. Purcell ernannte die 50-jährige Zoe Cruz und den 41-jährigen Stephen Crawford zu Co-Präsidenten und damit zu seinen Stellvertretern. Sie übernehmen gemeinsam den Posten von Stephan Newhouse, dessen berufliches Schicksal unklar ist. In Frage steht offenbar auch die Zukunft von Vikram Pandit, bislang Präsident und Chief Operating Officer für das Investment-Banking.

Mit der Erneuerung und Verjüngung der Führungsspitze reagiert Purcell, 62, auf einen Brief von acht hochrangigen Ex-Morgan-Stanley-Managern, die ihn zum Rücktritt aufforderten. "Wir glauben, dass die Hauptursache für das schlechte Abschneiden der Firma in der Führung von Philip Purcell liegt", schrieben die Ex-Direktoren. Unter ihnen sind der ehemalige Morgan-Stanley-Präsident Robert Scott und der frühere Aufsichtsratschef Parker Gilbert. Der Brief an Purcell wurde in Auszügen vom "Wall Street Journal" veröffentlicht.

Hintergrund der Kritik an Purcell ist, dass die Investmentbank den Konkurrenten an der Wall Street hinterherhinkt. Der Börsenkurs ist seit seinem Höchststand vor fünf Jahren um fast die Hälfte gesunken. Morgan Stanley ist nach Berechnungen des Finanzinformationsdienstes Bloomberg außerdem das einzige der fünf großen Wall-Street-Häuser, das seinen Gewinn gegenüber 1999 nicht steigern konnte. Selbst ein Gewinnsprung von 20 Prozent im ersten Quartal 2005 konnte daran nichts ändern.

Kritiker machen für das mäßige Abschneiden einen Geburtsfehler der Großbank verantwortlich. Seit der Übernahme durch Dean Witter, Discover & Co. 1997 hänge Morgan Stanley das Kreditkartengeschäft wie ein Mühlstein am Hals. Purcell, der aus dem konsumnahen Geschäft von Dean Witter kommt, habe es nicht geschafft, die verschiedenen Kulturen zu versöhnen.

Cruz, die bisher die Sparte Fixed Income verantwortete, wird durch die Beförderung zur Frau mit dem höchsten Posten an der Wall Street. Crawford war zuletzt als Chief Administrative Officer für Regulierungsfragen zuständig.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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