Chef des französischen Staatsfonds
Francois Cailleteau: Der unsichtbare Bankenretter

In Frankreich wird er in Behördenkreisen schon "Monsieur Ephémère", also flüchtiger Zeitgenosse, genannt. François Cailleteau ist der Herrscher über den Staatsfonds SPPE und dennoch ein unsichtbarer Mann. Er gibt bisher keine Interviews, und niemand hat ein Foto von ihm - weder die großen Wirtschaftszeitungen, noch die Behörden.

PARIS. Die 40 Mrd. schwere Staatsgesellschaft, die den französischen Banken langfristige Kredite zur Verfügung stellt, soll das Eigenkapital der Banken stärken. Die SPPE (Société de Prise de Participation de l?Etat) ist in aller Munde, doch ihr 70-jähriger Präsident Cailleteau, ein hoher ehrenamtlicher Beamter im Trésor Public, dem Schatzamt, hüllt sich in Schweigen.

Auf Anfrage beim Wirtschaftsministerium hieß es: "Kein Foto, Cailleteau wünscht, anonym zu bleiben." Seine Ernennung erfolgte ohne großes Aufsehen. In einem offiziellen Schreiben hieß es nur ganz schlicht: "Nach einem Erlass des Präsidenten vom 8. Dezember 2008 wurde Monsieur François Cailleteau, ehrenamtlicher Generalinspektor der Finanzen, zum Präsidenten der SPPE ernannt." Die französische Wirtschaftspresse würdigte das Ereignis nur mit wenigen Zeilen.

Wochenlang hatte es zunächst auch so ausgesehen, als ob die SPPE ganz ohne Chef auskommen müsste. Dabei waren schon im Dezember 10,5 Mrd. Euro für sechs große französische Banken in Form von nachrangigen Anleihen genehmigt worden. Durch das frische Geld sollen die französischen Institute wieder in die Lage versetzt werden, die heimische Wirtschaft besser mit Krediten zu versorgen.

Neben der Möglichkeit der Rekapitalisierung durch die SPPE gibt es im französischen Rettungsplan für die Banken auch noch die Gesellschaft für die Finanzierung der Wirtschaft SFEF (Société de Financement de l?Economie Française), ausgestattet mit einer Staatsgarantie von 320 Mrd. Euro, mit der die Kredite zwischen den Banken abgesichert werden sollen. Insgesamt umfasst Frankreichs Rettungsplan für die Geldinstitute somit Hilfen in Höhe von maximal 360 Mrd. Euro.

In dieser Woche wurde von Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt, dass eine zweite Tranche von SPPE-Geldern für Frankreichs Banken über insgesamt 10,5 Mrd. Euro vorbereitet werde - und immer noch schweigt Cailleteau.

Auf Anfrage bei den französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale hieß es gar nach Cailleteaus Ernennung: "Den Namen haben wir noch nicht gehört. Wir wissen nichts über ihn." Erstaunlich für einen Mann, der Milliarden verwaltet. Cailleteau selbst ließ nur durch einen Sprecher im französischen Schatzamt ausrichten: "Es ist zu früh, um etwas zu sagen." Er wolle keine Werbung für sich machen und sei sozusagen nur ein Mittelsmann der Regierung.

Dabei ist der in Limoges in Mittelfrankreich geborene Vater von zwei Kindern ganz und gar kein Unbekannter in den oberen Gefilden des französischen Staates. Der diplomierte Politikwissenschaftler und Absolvent der Militärschule Saint-Cyr machte eine Offizierskarriere und war von 1981 bis 1983 stellvertretender Kabinettsdirektor des Verteidigungsministers Charles Hernu. Im Jahr 1989 wurde er zum Kontrollchef über die französische Armee ernannt und veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Buch über Kriegsführung "Gagner la grande Guerre" (Den großen Krieg gewinnen).

Seine Karriere im Finanzsektor begann erst später. Im Jahr 1994 wurde er zum ehrenamtlichen Generalinspektor für Finanzen im Schatzamt und 2005 Präsident der Kommission für die Transparenz der Verkäufe von Staatsimmobilien. Auch diese Erfahrungen qualifizierten Cailleteau für den Chefposten der SPPE.

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