Chef des Schering-Aufsichtsrats
Giuseppe Vita: Stiller Patron

Giuseppe Vita ist bekannt für seine Selbstironie und seinen leisen Humor. Der wird derzeit auf eine harte Probe gestellt. Der Italiener hat Schering groß gemacht. Doch mit der Übernahme durch Merck ist das Lebenswerk des 70-Jährigen ist in Gefahr.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Wenn Giuseppe Vita auf der Hauptversammlung des Springer-Konzerns den zwei Meter großen Vorstandschef Mathias Döpfner am Rednerpult ablöst, ist moderne Technik nötig. Per Knopfdruck senkt die Saalregie das Pult um einige Zentimeter ab, damit der eher klein gewachsene Aufsichtsratschef des Medienkonzerns sein Manuskript ablegen kann. Das Publikum quittiert die Einlage mit Kichern. Und Vita? Der Italiener blickt über seine Lesebrille und lächelt die Aktionäre verschmitzt an.

Der Schering-Konzern, den er vom Gemischtwarenladen zum reinen Pharmakonzern wandelte, ist seit vergangenem Wochenende Ziel eines ungebetenen Übernahmeversuchs. Der Darmstädter Merck-Konzern will den Berliner Konkurrenten übernehmen.

Merck bietet 77 Euro pro Schering-Aktie, was einer Prämie von mehr als einem Drittel entspricht. Ein großzügiges Angebot, wie die meisten Analysten finden. Vita ist da ganz anderer Meinung. „Es gab eine unabhängige Bewertung, die den Aktienpreis bei 90 bis 100 Euro sah, und das ohne eine Übernahmeprämie“, diktierte der Aufsichtsratschef verärgert einer Reuters-Journalistin in den Block.

Seine Verärgerung als Ausdruck seines italienischen Temperaments zu deuten wäre jedoch eine Fehlinterpretation. Vita, der jedes Jahr einige Zeit im Kreise seiner sizilianischen Großfamilie verbringt, gilt als äußerst beherrscht, sachlich und zurückhaltend. Wegen dieser eigentlich typisch deutschen Tugenden bezeichnet ihn die Tageszeitung „Die Welt“ einmal als „preußischen Sizilianer“.

Das sind Tugenden, die ihm auch beim Aufstieg zu einem der erfolgreichsten deutschen Pharmamanager halfen. Der im sizilianischen Catania und in Rom ausgebildete Facharzt für Radiologie kam schon 1964 zu Schering und stieg schnell auf. Vom wissenschaftlichen Mitarbeiter für Kontrastmittel in der klinischen Forschung brachte er es bald zum Geschäftsführer der Mailänder Tochtergesellschaft in Italien und 1989 schließlich zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns.

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