Chef von Peugeot Citroën
Zum Adieu eine Ohrfeige

Der Chef von Peugeot Citroën, Jean-Martin Folz, verlässt überraschend den kriselnden Automobilkonzern. Amtsmüdigkeit oder Streit mit der Gründerfamilie gelten als Gründe. Die Börse frohlockt und hofft auf einen Sanierer.

PARIS/FRANKFURT. Presseauftritte waren noch nie die Sache von Jean-Martin Folz – vor allem, wenn der Chef des Autokonzerns PSA Peugeot Citroën schlechte Nachrichten verkünden musste wie bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im vergangenen Juli: Folz kauert einsam hinter einem riesigen weißen Tisch, blickt auf seine Notizen, spricht so schnell, als hoffe er, die erneute Gewinnwarnung und die Ankündigung eines Sparplans würde so niemand mitbekommen.

Schon damals scheint in ihm der Entschluss gereift zu sein, die Sanierung von PSA einem anderen zu überlassen. Wie es bei PSA heißt, habe Folz bereits im Sommer den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er gehen wolle. Doch allgemein wurde am Freitag die Mitteilung von PSA mit Verwunderung aufgenommen, dass Folz im kommenden Jahr seinen Posten aufgeben will, wenn er 60 Jahre alt wird. Bis Ende des Jahres soll der Aufsichtsrat unter der Führung von Thierry Peugeot einen Nachfolger finden.

„Zehn Jahre an der Konzernspitze sind genug“, wird Folz von seinem Umfeld zitiert. Der Ingenieur, der den Autokonzern mit zwei Marken Ende der 90er-Jahre aus der Krise führte, hat anscheinend nicht mehr die Kraft, ein zweites Mal den Turn-around zu schaffen.

Einige Experten vermuten dagegen, dass die Peugeot-Familie, die noch 30 Prozent am Autokonzern kontrolliert, die Geduld verloren haben könnte angesichts der schwachen Entwicklung des Unternehmens. „Ich denke, es gab einen Konflikt um die Strategie, und er musste gehen“, sagte Branchenkenner Patrice Solaro von Kepler Equities. Der Familie Peugeot um den Aufsichtsratschef Thierry Peugeot seien die Sanierungspläne von Folz wohl nicht weit genug gegangen.

Der Autokonzern droht nun in eine lähmende Personaldebatte zu schlittern, wie sie Daimler-Chrysler im vergangenen Sommer um den Mercedes-Chefposten erlebte. Wettbewerber haben die heikle Nachfolgefrage besser vorbereitet: Bei Renault war bereits ein Jahr im Voraus klar, dass Carlos Ghosn im April 2005 das Ruder von Louis Schweitzer übernehmen wird.

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