Chef von Time Warner
Auszeichnung für den Medien-Diplomaten

Die Herbstsonne lässt die Fassade des Luxushotels Carlton an der Croisette in Cannes im eleganten Beige glänzen. Im großen Ballsaal der Belle-Epoque-Herberge, nur ein paar Meter vom in die Jahre gekommenen Filmpalast des südfranzösischen Badeortes, haben sich am Mittwochabend die Spitzen der Film- und Fernsehwelt versammelt, um Richard („Dick“) Parsons, Vorstandsvorsitzender und Präsident von Time Warner, zu feiern.

CANNES. Der Chef des weltgrößten Medienkonzerns wird auf der Film- und Fernsehmesse Mipcom als „Persönlichkeit des Jahres“ ausgezeichnet. „Für mich ist es seine menschliche Seite, warum er ausgezeichnet wird“, sagt AOL-Chef Jonathan Miller. Der Preis ist eine der weltweit wichtigsten Ehrungen für Medienmanager, den zuvor bereits Unternehmer wie CNN-Gründer Ted Turner, Telenovela-König Gustavo Cisneros oder Filmhändler Leo Kirch erhielten.

Der gelernte Jurist genießt die Auszeichnung, denn die vergangenen Jahre waren für den stets freundlichen Manager mit der großen randlosen Brille alles andere als einfach. Erst im Frühjahr attackierte Großaktionär Carl Icahn den Vorstandschef. Wäre es nach Icahn gegangen, wäre Time Warner in vier Teile aufgespaltet worden. Doch Parsons fand am Ende einen Ausweg, um die Zerschlagung des amerikanischen Medienkonzerns mit seinen 87 000 Mitarbeitern zu verhindern.

Medienkonzern in der Defensive

In Cannes gibt sich Parsons, sportlich in grauer Hose und schwarzen Jackett, locker und heiter. Nichts deutet darauf hin, dass er und sein Medienkonzern sich in der Defensive befinden. Die spektakuläre Übernahme der Online-Videoplattform YouTube durch Google, ein Aktionär von Time Warner, bewegt den Manager aus Manhattan mit seinen stets gönnerhaften Lächeln. „Das ist eine erstaunliche Geschichte“, formuliert der stets diplomatische Time-Warner-Chef. Das ist eine Untertreibung. In Wirklichkeit wirbelt Google mit der 1,65 Mrd. Euro schweren Übernahme von YouTube die gesamte Medien- und Internetbranche auf. „Das ist ein heftiger Preis, der für einen traditionellen Medienkonzern nicht zu rechtfertigen ist“, rechtfertigt Parsons seinen Verzicht auf YouTube. „Wenn es für jemanden Sinn macht, dann für Google.“

Parsons hat sich intern mal wieder durchgesetzt. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass die konzerneigene Internetsparte AOL gerne YouTube gekauft hätte. Gleichzeitig bedeutet Parsons Blockade aber auch, dass sich die klassischen Medienkonzerne angesichts der schwierigen Marktsituation von riskanten Internetgeschäften fernhalten müssen. Das ist keine gute Nachricht für die Krisen geschüttelte Internettochter AOL.

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