Chefberater
Roland Berger: Zwischen allen Stühlen

Roland Berger, Grandseigneur der deutschen Beraterszene, soll der Bundesregierung bei der Rettung des Autobauers Opel helfen. Engagiert aufgrund seiner guten Kontakte zu Politik und Wirtschaft sind es nun gerade diese Beziehungen, die Kritiker auf den Plan rufen: Wie unabhängig ist der im Verwaltungsrat von Fiat sitzende Berger wirklich?

FRANKFURT. Die Nachricht war ein Hoffnungszeichen. Roland Berger werde "seine nationalen und internationalen Kontakte sowie seine Erfahrung aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater einbringen", um die komplizierten Fragen im Verhältnis zwischen Opel und dem Mutterkonzern General Motors zu lösen und um die Suche nach internationalen Investoren für eine europäische Gesellschaft voranzutreiben, hatte das Bundeswirtschaftsministerium noch Mitte März erklärt. Dabei werde der 71-Jährige "eng mit den auf Regierungsebene eingesetzten Beauftragten zusammenarbeiten". Doch nur fünf Wochen später bringen ausgerechnet diese Kontakte den Opel-Koordinator plötzlich unter Druck. Denn der Chefberater der Republik ist angesichts seines engen Drahts zum italienischen Autobauer Fiat - er sitzt dort im Verwaltungsrat - in die Schusslinie geraten.

Die IG Metall, die gegen einen Einstieg der Italiener bei Opel kämpft, macht nun offen Front gegen den Altmeister der deutschen Beraterszene. Der Interessenkonflikt bekomme "ungeheuerliche Züge", denn Berger sitze im Aufsichtsrat von Fiat, klagt Opel-Aufsichtsrat und Frankfurter Bezirksleiter der IG Metall, Armin Schild, gegenüber dem Handelsblatt. "Das ist kein Ruhmesblatt für die deutsche Wirtschaftspolitik." Direkt kritisiert der Gewerkschafter auch das Wirtschaftsministerium wegen der Einsetzung von Roland Berger als Berater, der die Suche nach Investoren unterstützen soll.

Doch davon will Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nichts mehr wissen. Berger sei nie von der Bundesregierung beauftragt gewesen, sondern handele im Auftrag von General Motors, die zusätzlich auch die von Berger gegründete Unternehmensberatung eingeschaltet hätten. Zudem sei Berger für seine Aufgabe bei Opel von Fiat freigestellt worden.

Die Frage, ob Berger mit seiner Funktion einem Interessenkonflikt unterliegt, berührt die Regierung nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums nicht. Berger sei ein Ansprechpartner bei der Suche nach Investoren für den Rüsselsheimer Autobauer, hatte das Ministerium bereits frühzeitig klargestellt. Im Auftrag von General Motors informiere sich der Berater bloß bei der Regierung. Insofern sei Berger nicht Vertrags-, sondern lediglich Kooperationspartner der Bundesregierung.

Sprecher von Opel und GM Europa wollten sich zu dem heiklen Thema nicht äußern. Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim erzählen Manager allerdings eine andere Geschichte. Berger sei vom Ministerium ausgesucht worden und daraufhin von GM mit dem Auftrag versehen worden, heißt es dort hinter vorgehaltener Hand. Nun sprechen einige Führungskräfte in kleinem Zirkel plötzlich vom "trojanischen Pferd" und klagen, es sei ein "interessantes Spiel", was da getrieben werde. Berger, der sich zur Verschwiegenheit verpflichtet sieht, ließ über seine Firma in München zu einer möglichen Interessenkollision nur ausrichten, dass er das Thema nicht kommentieren werde.

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